Cannabis Therapie: Wann kommt Cannabis auf Rezept zum Einsatz?






Verfasst von: Janina Horn

Lesezeit: 11 Minuten

Veröffentlicht am: 14.03.2025

Verfasst von: Janina Horn

Lesezeit: 11 Minuten

Veröffentlicht am: 14.03.2025



Als Apotheker spielen Sie eine entscheidende Rolle in der Versorgung und Beratung von Patienten, die die medizinische Cannabis Therapie einsetzen. Patienten fragen zum Beispiel zunehmend nach Einsatzmöglichkeiten, Kostenübernahme und potenziellen Nebenwirkungen.

In diesem Artikel erhalten Sie fundierte Antworten auf häufige Fragen rund um die Cannabis Therapie. So können Sie Ihre Patienten kompetent beraten, die sichere Anwendung unterstützen und über die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen informiert bleiben.


INHALTSVERZEICHNIS


Cannabis und Schmerztherapie

Welche Nebenwirkungen sind bei der Cannabistherapie zu beachten?

Was sollten Apotheker im Bezug auf Cannabis auf Rezept beachten?

Wie sieht die Zukunft von Cannabis in Deutschland aus?

FAQ zum Thema Cannabis Therapie

Quellen



cannabis therapie schmerzmedizin

Cannabis und Schmerztherapie


Cannabis wird zunehmend als ergänzende Option in der Schmerztherapie betrachtet. Insbesondere bei chronischen Schmerzen, die auf herkömmliche Behandlungen nicht ausreichend ansprechen, kann medizinisches Cannabis eine Alternative darstellen.

Was ist Schmerz?

Schmerz ist ein komplexes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das als Warnsignal des Körpers dient. Er kann akut auftreten, etwa bei Verletzungen, oder chronisch werden, wenn er länger als drei bis sechs Monate anhält. Chronischer Schmerz verliert seine Warnfunktion und wird selbst zur Krankheit.

Das biopsychosoziale Schmerzmodell erklärt Schmerz als Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Zur objektiven Einschätzung der Schmerzintensität werden häufig Schmerzskalen eingesetzt, bei denen Sie Ihren Schmerz auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz) bewerten.

Für welche Erkrankungen wird Cannabis als Medizin eingesetzt?

Medizinisches Cannabis auf Rezept findet Anwendung bei verschiedenen Erkrankungen, insbesondere wenn traditionelle Therapien nicht den gewünschten Erfolg bringen. Dazu zählen:

  • Chronische Schmerzen: z. B. bei Nervenschäden oder rheumatischen Erkrankungen.
  • Spastizität: Muskelverkrampfungen, insbesondere bei Multipler Sklerose.
  • Übelkeit und Erbrechen: vor allem als Folge von Chemotherapien.
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust: insbesondere bei HIV/AIDS.

Bitte beachten Sie, dass die Wirksamkeit von Cannabis je nach Erkrankung variieren kann und nicht für alle Patienten gleichermaßen geeignet ist.

Hilft Cannabis bei chronischen Schmerzen?

Cannabis kann bei verschiedenen Arten von chronischen Schmerzen helfen:

  • Knochenschmerzen und Arthritis: Häufige Ursachen für chronische Schmerzen sind Erkrankungen wie Arthrose, Rheuma und andere entzündliche Gelenkerkrankungen.
  • Rückenschmerzen: Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen in Deutschland, insbesondere Lumbalgie (Schmerzen im unteren Rücken) und zervikale Schmerzen (Nacken).
  • Neuropathische Schmerzen: Dies sind Schmerzen, die durch Schädigung von Nerven entstehen, wie etwa bei Diabetischer Neuropathie, Trigeminusneuralgie oder postherpetischer Neuralgie.
  • Kopf- und Gesichtsschmerzen: Migräne und Clusterkopfschmerzen sind weit verbreitet und führen oft zu chronischen Schmerzmustern.

Studien zeigen, dass Cannabis bei bestimmten chronischen Schmerzzuständen lindernd wirken kann. Insbesondere neuropathische Schmerzen, die durch Nervenschädigungen verursacht werden, sprechen möglicherweise auf eine Behandlung mit Cannabinoiden an. Allerdings ist die Datenlage nicht einheitlich, und die Wirksamkeit kann individuell variieren. Deshalb ist es wichtig, die Therapie in Absprache mit Ihrem Arzt zu beginnen und regelmäßig zu evaluieren.


Welche Nebenwirkungen sind bei der Cannabistherapie zu beachten?


Als Apotheker ist es essenziell, dass Sie die Patienten über mögliche Nebenwirkungen, Risiken und Dosierungsempfehlungen informieren, um eine optimale Patientenversorgung sicherzustellen.

Wie reagiert der Körper auf Cannabis?

Medizinisches Cannabis kann eine Vielzahl von Wirkungen auf den Körper haben, die sowohl therapeutisch als auch unerwünscht sein können. Häufig berichtete Nebenwirkungen sind:

  • Müdigkeit und Schläfrigkeit: Patienten können sich schläfrig oder müde fühlen.
  • Schwindel: Ein Gefühl von Benommenheit oder Gleichgewichtsstörungen kann auftreten.
  • Übelkeit: Einige Patienten berichten über ein flaues Gefühl im Magen.
  • Mundtrockenheit: Ein trockenes Gefühl im Mund ist eine häufige Nebenwirkung.
  • Konzentrationsstörungen: Schwierigkeiten, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, können auftreten.
  • Appetitsteigerung: Ein vermehrtes Hungergefühl, oft als “Heißhunger” bekannt, kann beobachtet werden.

Diese Nebenwirkungen sind in der Regel mild und vorübergehend. Durch eine sorgfältige Dosierung nach dem Prinzip “Start low, go slow” können sie minimiert werden.

Gibt es Risiken bei der Anwendung von Cannabis als Medizin?

Obwohl medizinisches Cannabis als gut verträglich gilt, sollten bestimmte Risiken beachtet werden:

  • Kardiovaskuläre Effekte: Es kann zu Tachykardie (erhöhter Herzfrequenz) und Blutdruckabfall kommen.
  • Psychische Auswirkungen: Bei einigen Patienten können Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsschwächen auftreten.
  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Cannabis kann die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen. Eine genaue Anamnese und Beratung sind daher unerlässlich.

Es ist wichtig, Patienten darauf hinzuweisen, dass bei Auftreten von Nebenwirkungen die Dosis angepasst oder die Therapie überdacht werden sollte.

Was ist bei der Dosierung von Cannabisblüten zu beachten?

Die richtige Dosierung von Cannabisblüten ist entscheidend für den Therapieerfolg und die Minimierung von Nebenwirkungen. Empfehlungen beinhalten:

  • Einschleichende Dosierung: Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis, beispielsweise 0,25 bis maximal 1 g Cannabisblüten, abhängig vom THC-Gehalt.
  • Langsame Steigerung: Erhöhen Sie die Dosis schrittweise um 25–100 mg alle 1–3 Tage, basierend auf Wirksamkeit und Verträglichkeit.
  • Maximale Tagesdosis: Überschreiten Sie nicht die empfohlene Höchstdosis von 3 g pro Tag.

Die erste Einnahme sollte idealerweise am Abend erfolgen, um mögliche Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit besser kontrollieren zu können. Bei guter Verträglichkeit kann die Dosierung alle zwei Tage um 2,5 mg THC gesteigert werden, bis die gewünschte Wirkung eintritt. 

Durch eine individuelle und sorgfältige Dosierung sowie eine umfassende Beratung können Sie als Apotheker maßgeblich zum Therapieerfolg und zur Sicherheit Ihrer Patienten beitragen.



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Was sollten Apotheker im Bezug auf Cannabis auf Rezept beachten?


Als Apotheker tragen Sie eine zentrale Verantwortung bei der Abgabe von medizinischem Cannabis. Neben der korrekten Verordnung sollten Sie auf die Lagerung und Dokumentation achten. Obwohl Cannabis seit dem 1. April 2024 nicht mehr als Betäubungsmittel gilt, müssen arzneimittelrechtliche Vorgaben eingehalten werden. Eine besondere Sicherung über die üblichen Standards hinaus ist nicht erforderlich, doch eine ordnungsgemäße Dokumentation bleibt essenziell.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualitätssicherung und Prüfung. Sie müssen die Identität des Produkts überprüfen und sicherstellen, dass Wirkstoffgehalt und Reinheit den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Falls Cannabis in Rezepturen verarbeitet wird, sind korrekte Dosierung und Zubereitung entscheidend.

Bei der Patientenberatung kommt Ihnen eine besondere Rolle zu. Viele Patienten haben wenig Erfahrung mit Cannabis als Medizin. Sie sollten daher umfassend über Anwendung, Dosierung, Nebenwirkungen und mögliche Wechselwirkungen informieren.

Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen spielen eine große Rolle. Seit Einführung des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG) gelten neue Vorschriften zur Verschreibung und Abgabe. Bleiben Sie über aktuelle gesetzliche Änderungen informiert, um Ihre Patienten optimal beraten zu können.

Schließlich ist die Zusammenarbeit mit Cannabis Ärzten essenziell. Falls Unklarheiten zur Verordnung oder Dosierung bestehen, ist eine enge Abstimmung mit dem verschreibenden Arzt notwendig. Eine offene Kommunikation verbessert die Therapieergebnisse und minimiert Risiken.

Durch eine sorgfältige Umsetzung dieser Punkte tragen Sie maßgeblich zur sicheren und effektiven Anwendung von medizinischem Cannabis bei und unterstützen Ihre Patienten auf ihrem Therapieweg.

Um Ihre Patienten optimal zu beraten und stets auf dem neuesten Stand der medizinischen Cannabistherapie zu bleiben, ist eine kontinuierliche Weiterbildung essenziell. Nutzen Sie den Fachbereich von Cannamedical für vertiefende Informationen und Ressourcen zur sicheren Abgabe von Medizinalcannabis.

Für weiterführende Informationen, individuelle Unterstützung oder Fragen zu aktuellen rechtlichen Vorgaben stehen Ihnen die Experten der Cannamedical Pharma Hotline jederzeit zur Verfügung.


Wie sieht die Zukunft von Cannabis in Deutschland aus?


Seit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (CanG) am 1. April 2024 hat sich die rechtliche Landschaft für Cannabis in Deutschland grundlegend verändert. Cannabis wurde aus dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) herausgenommen und unterliegt nun dem Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG), das den Umgang mit Cannabis zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken regelt. 

Für Sie als Apotheker bedeutet dies eine Vereinfachung im Umgang mit medizinischem Cannabis. Die bisherigen strikten Dokumentationspflichten und die Notwendigkeit, Cannabis in Tresoren zu lagern, entfallen. Dennoch bleibt Cannabis ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, und Sie sind weiterhin verpflichtet, Identitäts- und Plausibilitätsprüfungen durchzuführen. 

Die Entkriminalisierung hat zu einem Anstieg der Nachfrage nach medizinischem Cannabis geführt. Berichte zeigen, dass vermehrt junge Erwachsene Cannabis auf Rezept beziehen, was zu Lieferengpässen für Patienten mit ernsthaften Erkrankungen führen kann. Es ist daher wichtig, bei der Abgabe von Cannabispräparaten sorgfältig zu prüfen, ob eine medizinische Indikation vorliegt, um die Versorgung der wirklich bedürftigen Patienten sicherzustellen. 

Insgesamt bietet die neue Gesetzeslage Chancen für eine erweiterte therapeutische Nutzung von Cannabis. Es bleibt jedoch essenziell, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und sich regelmäßig über aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren, um Ihre Patienten kompetent beraten zu können.


FAQ zum Thema Cannabis Therapie


FAQ

Im Folgenden finden Sie Antworten auf weitere Fragen zum Thema.

Wann kann ein Arzt Cannabis auf Rezept verschreiben?

Ein Arzt kann Cannabis auf Rezept verschreiben, wenn der Patient an einer schwerwiegenden Erkrankung leidet und andere Therapieoptionen nicht ausreichend helfen. Dies muss im Rahmen der ärztlichen Verordnung geschehen.

Welche Krankenkassen übernehmen die Kosten für Cannabisarzneimittel?

Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für Cannabisarzneimittel, wenn die medizinische Notwendigkeit durch einen Arzt bestätigt wird. Patienten sollten sich bei ihrer Krankenkasse über die genauen Bedingungen informieren.

Was sind die Voraussetzungen, damit ein Arzt Cannabis verordnet?

Die Voraussetzungen für die Verordnung von Cannabis sind unter anderem ein schwerwiegender Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome, für die andere Therapien nicht ausreichend sind.

Was sind die Hauptwirkstoffe in Cannabis, die bei der Therapie verwendet werden?

Die Hauptwirkstoffe in Cannabis, die in der Therapie verwendet werden, sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Diese Cannabinoide haben unterschiedliche Wirkungen auf den Körper.

Wie wird Cannabis in der Medizin verwendet?

Cannabis wird in der Medizin zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen eingesetzt, darunter chronische Schmerzen, Spastik, Übelkeit bei Chemotherapie und zur Linderung von Symptomen bei bestimmten Erkrankungen wie Multiple Sklerose.

Welche Tipps gibt es für Angehörige von Patienten, die Cannabis konsumieren?

Angehörige sollten offen mit den Patienten kommunizieren, über die Therapie aufklären und sicherstellen, dass die Anwendung ärztlich überwacht wird. Unterstützung während des Entzugs kann ebenfalls hilfreich sein.

Gelingt der Entzug von Cannabis bei einer Abhängigkeit?

Der Entzug von Cannabis kann gelingen, aber er erfordert oft Unterstützung durch Ärzte und Therapeuten. Es ist wichtig, eine geeignete Therapie zu finden, um die Symptome einer Cannabisabhängigkeit zu bewältigen.

Wie sieht die aktuelle Studienlage zur Therapie mit Cannabis aus?

Die Studienlage zur Therapie mit Cannabis ist vielfältig, zeigt jedoch vielversprechende Ergebnisse bei bestimmten Anwendungen wie der Schmerztherapie und der Behandlung von Übelkeit. Ein Überblick über die Studienlage kann helfen, informierte Entscheidungen zu treffen.

Was ist der Unterschied zwischen THC und CBD in der medizinischen Anwendung?

THC hat psychoaktive Eigenschaften und kann Schmerzen lindern sowie den Appetit steigern, während CBD keine berauschende Wirkung hat und oft zur Linderung von Angstzuständen und Entzündungen eingesetzt wird.

Wie wird Cannabis in der Form von Joint oder Ölen verabreicht?

Cannabis kann sowohl in Form von Joints als auch in Form von öligem Extrakt verabreicht werden. Die Wahl der Darreichungsform hängt von den individuellen Bedürfnissen des Patienten und der ärztlichen Empfehlung ab.







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