Verfasst von: Janina Horn
Lesezeit: 17 Minuten
Veröffentlicht am: 17.05.2024
Verfasst von: Janina Horn
Lesezeit: 17 Minuten
Veröffentlicht am: 17.05.2024
Die Möglichkeit, medizinisches Cannabis auf Rezept zu verschreiben, hat seit der Legalisierung enorm an Bedeutung gewonnen.
Diese Entwicklung geht einher mit einem wachsenden Verständnis für die therapeutischen Möglichkeiten von Cannabis bei verschiedenen schwerwiegenden Erkrankungen. Patienten, die von herkömmlichen Therapien nicht ausreichend profitieren oder diese nicht vertragen, sehen in medizinischem Cannabis oft eine vielversprechende Alternative.
In diesem Artikel finden Sie einen Überblick über den Prozess der Verschreibung von medizinischem Cannabis geben, die Voraussetzungen für den Erhalt eines Cannabis-Rezepts und mögliche Herausforderungen, die Patienten und Ärzte während dieses Prozesses möglicherweise bewältigen müssen.
Medizinisches Cannabis auf Rezept bedeutet, dass Sie unter bestimmten Voraussetzungen Cannabis-Arzneimittel ärztlich verordnet bekommen – auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse. Voraussetzung ist, dass Sie an einer schwerwiegenden Erkrankung leiden und herkömmliche Therapien nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden.
Das medizinische Cannabis erhalten Sie ausschließlich in der Apotheke. Es gibt es in verschiedenen Formen, darunter getrocknete Blüten, standardisierte Extrakte oder Fertigarzneimittel wie Dronabinol. Die Dosierung wird individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt und unter ärztlicher Aufsicht regelmäßig überprüft.
Medizinisches Cannabis wird gezielt zur Linderung von Beschwerden eingesetzt – etwa bei chronischen Schmerzen, Multiple Sklerose, Übelkeit durch Chemotherapie oder bestimmten neurologischen Erkrankungen.
Die therapeutische Wirkung von Cannabis basiert auf sogenannten Cannabinoiden – das sind chemische Verbindungen, die auf das körpereigene Endocannabinoid-System wirken. Die zwei wichtigsten dieser Wirkstoffe sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol).
THC ist psychoaktiv – es beeinflusst Ihre Wahrnehmung, Stimmung und Ihr Schmerzempfinden. Es kann bei starker Übelkeit, Appetitlosigkeit oder chronischen Schmerzen sehr effektiv sein, birgt aber auch das Risiko für Nebenwirkungen wie Schwindel oder Müdigkeit.
CBD wirkt nicht berauschend. Es wird vor allem wegen seiner angstlösenden, entzündungshemmenden und entspannenden Eigenschaften geschätzt. CBD kann die Wirkung von THC abschwächen und ist daher besonders für sensible Patienten gut geeignet.
Viele medizinische Sorten enthalten eine ausgewogene Mischung aus THC und CBD, um eine effektive, aber verträgliche Wirkung zu erzielen. Welche Kombination für Sie am besten ist, hängt von Ihrer Diagnose und Ihrer individuellen Reaktion ab – deshalb ist eine ärztliche Begleitung unerlässlich.
Wenn Ihr Arzt Ihnen medizinisches Cannabis verschreibt, stehen verschiedene Formen zur Verfügung. Je nach Beschwerden, Verträglichkeit und Anwendungsziel kann eine andere Variante für Sie am besten geeignet sein:
Welche Form für Sie am besten geeignet ist, entscheidet Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen – abhängig von Ihrer Erkrankung, bisherigen Erfahrungen und Behandlungszielen.
Möchten Sie einen Antrag auf Verschreibung von medizinischem Cannabis auf Rezept stellen oder werden gebeten, diesen für einen Patienten zu erstellen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
Zusätzlich sollten andere Therapien nicht zur Verfügung stehen oder im Einzelfall nicht angewendet werden können.
Die Entscheidung, medizinisches Cannabis auf Rezept zu verschreiben, liegt letztendlich im Ermessen des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin.
Es sprechen verschiedene Gründe sowohl für als auch gegen eine Therapie mit Cannabis. Damit Sie Ihren Patienten die richtige Behandlung verschreiben können, finden Sie hier eine Übersicht:
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Cannabis kann mit anderen Medikamenten interagieren, insbesondere mit Substanzen, die das zentrale Nervensystem beeinflussen, und unerwünschte Wirkungen oder Veränderungen der Medikamentenwirkung verursachen.
Medizinisches Cannabis wird bei vielen Krankheiten verschrieben, darunter vor allem:
Medizinisches Cannabis wird zunehmend als therapeutische Option bei verschiedenen Erkrankungen betrachtet. Der Gesetzgeber in Deutschland macht keine spezifischen Vorgaben dazu, wann es eingesetzt werden kann. In erster Linie muss es sich um eine schwerwiegende Erkrankung handeln, für die keine andere Therapiealternative besteht.
Untersuchungen und Studien haben gezeigt, dass medizinisches Cannabis bei einer Reihe von Erkrankungen zur Linderung von Beschwerden eingesetzt werden kann.
Eine Analyse der Techniker Krankenkasse ergab, dass es insbesondere bei chronischen Schmerzen, Spastizität bei Multipler Sklerose und Paraplegie, Epilepsie, Übelkeit und Erbrechen nach Chemotherapie sowie zur Appetitsteigerung bei HIV/AIDS indiziert sein kann.
Zusätzlich dazu zeigen Studien vielversprechende Ergebnisse bei neuropathischen Schmerzen und Tumorschmerzen. Bei Multipler Sklerose können sowohl Schmerzen als auch Spastiken durch medizinisches Cannabis gelindert werden. Darüber hinaus kann es in der Schmerztherapie eingesetzt werden, um die Einnahme von Opioiden zu reduzieren oder zu ersetzen.
Es gibt auch Hinweise darauf, dass medizinisches Cannabis bei der Behandlung von Angststörungen und anderen psychischen Problemen wirksam sein könnte, jedoch sind weitere klinische Studien erforderlich, um diese Ergebnisse final zu bestätigen.
Tierversuche legen außerdem nahe, dass Cannabis positive Auswirkungen auf die Behandlung von Arteriosklerose haben könnte und somit möglicherweise Herzinfarkten vorbeugen könnte.
Kommt ein Patient zu Ihnen und bittet Sie um ein Cannabis-Rezept, gehen Sie nach folgendem Ablauf vor:
Um die passende Sorte und Dosierung zu finden, ist es empfehlenswert, mit einem Experten für medizinisches Cannabis zu sprechen. Dies können Sie schnell, einfach und kostenlos über die Cannamedical Service-Hotline tun, die sich konkret an Ärzte und Apotheker richtet.
Häufig stellt sich auch die Frage, welcher Arzt Cannabis verschreiben darf. Die Antwort ist ganz einfach:
Ein Cannabis-Rezept kann von jedem Arzt ausgestellt werden, der eine ärztliche Zulassung besitzt. Das umfasst Hausärzte sowie Fachärzte in verschiedenen medizinischen Bereichen wie Schmerztherapie, Neurologie, Onkologie, Palliativmedizin und Psychiatrie.
Bei einem Cannabis-Rezept fallen für den Patienten verschiedene Kosten an:
Es ist ratsam, dem Patienten zu empfehlen, sich im Vorfeld genau über die Kosten und Möglichkeiten der Kostenerstattung durch die Krankenkasse zu informieren.
Wenn ein Antrag auf medizinisches Cannabis abgelehnt wurde, kann dies verschiedene Gründe haben:
Mangelnde Unterstützung durch den Medizinischen Dienst: Wenn der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) oder ein vergleichbares Gutachtergremium zu dem Schluss kommt, dass die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme nicht erfüllt sind, könnte der Antrag abgelehnt werden.
Seit dem 1. April 2024 können Ärzte in Deutschland Cannabis zu medizinischen Zwecken auf einem normalen Rezept verordnen. Diese Änderung ist Teil des neuen „Gesetzes zum kontrollierten Umgang mit Cannabis und zur Änderung weiterer Vorschriften“ (Cannabisgesetz), das von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurde.
Mit diesem Gesetz unterliegt die Verordnung von Cannabisarzneimitteln nicht länger dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG), sondern dem neuen „Gesetz zur Versorgung mit Cannabis zu medizinischen und medizinisch-wissenschaftlichen Zwecken“.
Somit ist ein Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept) für die Verordnung von Medizinalcannabis nicht mehr notwendig.
Eine Ausnahme bildet der Wirkstoff Nabilon (Handelsname Canemes), der weiterhin auf dem BtM-Rezept verordnet werden muss. Nabilon ist ein synthetisches Cannabinoid, das strukturell dem THC ähnelt und in Anlage III des BtMG aufgeführt bleibt. Dies bedeutet, dass Nabilon, im Gegensatz zu Dronabinol und getrockneten Cannabisblüten oder -extrakten, weiterhin strengen betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften unterliegt.
Für Ärzte und Apotheker ist es wichtig zu wissen, dass Patienten mit einer schwerwiegenden Erkrankung seit März 2017 unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf die Versorgung mit Cannabis haben.
Haus- und Fachärzte dürfen getrocknete Cannabisblüten und -extrakte sowie Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon verordnen, wobei die Krankenkassen im Regelfall die Kosten übernehmen.
Vor der erstmaligen Verordnung muss der Patient die Genehmigung seiner Krankenkasse einholen, außer in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. Bei der Verordnung von Cannabisblüten ist eine Begründung notwendig und das Wirtschaftlichkeitsgebot ist stets zu beachten.
Medizinisches Cannabis auf Rezept ist eine wichtige Option für Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirksam sind.
Trotz strenger Voraussetzungen und Genehmigungsverfahren ist der Zugang zu medizinischem Cannabis für Patienten, die es benötigen, in Deutschland grundsätzlich möglich.
Die Möglichkeit, medizinisches Cannabis auf Rezept zu erhalten, bietet Patienten die Chance auf eine verbesserte Lebensqualität und eine effektive Behandlung ihrer Symptome.
Die Ablehnung eines Antrags auf medizinisches Cannabis sollte nicht als endgültiges Hindernis betrachtet werden, sondern kann oft durch Klärung oder Ergänzung von Unterlagen überwunden werden.
Insgesamt zeigt sich, dass medizinisches Cannabis bei bestimmten Indikationen eine wirksame und sinnvolle Therapieoption darstellt, die bei Notwendigkeit und unter ärztlicher Aufsicht verfügbar ist.
Im Folgenden finden Sie Antworten auf weitere Fragen zum Thema “Medizinisches Cannabis auf Rezept”.
Ärzte müssen über die verschiedenen Formen der Zubereitung von Cannabis informiert sein, einschließlich der Verordnung von medizinischem Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten. Sie sollten auch die potenziellen Nebenwirkungen und die richtige Dosierung kennen.
Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse erfolgt, wenn eine ärztliche Verordnung für Cannabis vorliegt und die Therapie mit medizinischem Cannabis als notwendig erachtet wird. Patienten müssen möglicherweise einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.
Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Schwindel, Müdigkeit, Mundtrockenheit und Veränderungen des Appetits. Es ist wichtig, dass Patienten mit ihrem Arzt über mögliche Nebenwirkungen sprechen, bevor sie mit der Therapie beginnen.
Die Verordnung von medizinischem Cannabis ist seit 2017 in Deutschland legal. Dies ermöglicht Ärzten, Cannabis als Medikament zu verschreiben, wenn andere Therapien nicht wirksam sind.
Um Cannabis auf Rezept zu erhalten, müssen Sie einen Arzt aufsuchen, der die Verordnung von Cannabis durchführen kann. Der Arzt wird Ihre Krankengeschichte prüfen und entscheiden, ob Cannabis für Ihre Behandlung geeignet ist.
Cannabis kann in verschiedenen Formen verordnet werden, einschließlich getrockneter Blüten, Ölen und Sprays. Die Wahl der Form hängt von den individuellen Bedürfnissen des Patienten und der ärztlichen Empfehlung ab.
Patienten sollten wissen, dass die Therapie mit medizinischem Cannabis individuell angepasst werden muss. Es ist wichtig, regelmäßig mit dem behandelnden Arzt zu kommunizieren, um die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen zu überwachen.
In Deutschland dürfen verschiedene Ärzte, einschließlich Hausärzte und Fachärzte, Cannabis verordnen, solange sie die entsprechenden Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit der Verordnung von medizinischem Cannabis haben.
Ja, seit 2017 gibt es eine Teil-Legalisierung von Cannabis zu medizinischen Zwecken. Diese Regelung ermöglicht es Ärzten, Cannabis unter bestimmten Bedingungen als Medikament zu verordnen.