Wenn Du Dich mit einer Cannabistherapie beschäftigst, ist ein spezialisierter Cannabis Arzt die wichtigste medizinische Ansprechperson. Diese Ärzt:innen prüfen, ob medizinisches Cannabis für Deine Erkrankung sinnvoll ist und begleiten Dich während der gesamten Behandlung.
In diesem Artikel erfährst Du, welche Aufgaben ein Cannabis Arzt übernimmt, welche Voraussetzungen für eine Verschreibung gelten und wie eine Therapie mit medizinischem Cannabis konkret abläuft.
Was macht ein Cannabis Arzt?
Ein Cannabis Arzt ist eine approbierte Ärztin oder ein approbierter Arzt, der über fundierte Kenntnisse zur medizinischen Anwendung von Cannabis verfügt. Die Aufgabe besteht darin, Patient:innen zu beraten, die medizinische Indikation zu prüfen und eine individuell abgestimmte Therapie zu entwickeln.
Dabei geht es nicht nur um die Verschreibung eines Medikaments. Ein Cannabis Arzt bewertet zunächst die Krankengeschichte, analysiert bisherige Therapieversuche und prüft mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Anschließend wird entschieden, ob eine Behandlung mit medizinischem Cannabis medizinisch sinnvoll und rechtlich zulässig ist.
Während der gesamten Therapie überwacht der Arzt oder die Ärztin den Verlauf der Behandlung. Dazu gehören regelmäßige Kontrolltermine, Anpassungen der Dosierung, sowie die Bewertung von Wirkung und möglichen Nebenwirkungen. Ziel ist immer eine sichere und wirksame Behandlung.
Definition von medizinischem Cannabis
Medizinisches Cannabis bezeichnet Arzneimittel, die aus der Cannabispflanze gewonnen werden und zur Behandlung bestimmter Erkrankungen eingesetzt werden. Dazu zählen verschiedene Darreichungsformen wie getrocknete Blüten, standardisierte Extrakte, Öle oder Kapseln.
Die wichtigsten Wirkstoffe sind die sogenannten Cannabinoide, insbesondere:
THC wirkt psychoaktiv und besitzt unter anderem schmerzlindernde, appetitsteigernde und antiemetische Eigenschaften. Deshalb wird es häufig bei chronischen Schmerzen, Übelkeit infolge einer Chemotherapie oder bei Spastiken eingesetzt.
CBD hingegen wirkt nicht psychoaktiv. Es besitzt entzündungshemmende, krampflösende und angstlösende Eigenschaften und kann unter anderem bei Epilepsie, chronischen Schmerzen oder bestimmten neurologischen Erkrankungen eine Rolle spielen.
Die therapeutische Wirkung entsteht häufig durch das Zusammenspiel verschiedener Cannabinoide und Terpene, ein Effekt, der als Entourage-Effekt bezeichnet wird.
Voraussetzungen für Ärzt:innen zur Verschreibung von Cannabis
Grundsätzlich dürfen alle approbierten Ärzt:innen in Deutschland medizinisches Cannabis verschreiben. In der Praxis verfügen jedoch bestimmte Fachrichtungen häufiger über Erfahrung mit dieser Therapieform. Dazu gehören insbesondere Ärzt:innen aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Schmerztherapie, Neurologie, Onkologie oder Palliativmedizin. Diese Fachrichtungen behandeln häufig Erkrankungen, bei denen Cannabis eine therapeutische Option darstellen kann.
Eine zentrale Voraussetzung ist das Vorliegen einer medizinischen Indikation. Das bedeutet, dass eine Erkrankung bestehen muss, bei der Cannabis therapeutischen Nutzen bringen kann. In vielen Fällen wird medizinisches Cannabis eingesetzt, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirksam waren oder starke Nebenwirkungen verursacht haben.
Zu den häufigen Indikationen gehören:
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chronische Schmerzen
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Spastiken bei Multipler Sklerose
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Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie
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Appetitlosigkeit bei schweren Erkrankungen wie Krebs oder AIDS
Zusätzlich müssen Ärzt:innen die Therapie sorgfältig dokumentieren und den Verlauf regelmäßig überprüfen. Eine strukturierte Dokumentation ist wichtig, um Wirksamkeit, Nebenwirkungen und mögliche Anpassungen der Therapie nachvollziehen zu können.
Welche Fachäzt:innen arbeiten häufig als Cannabis Arzt?
Viele Cannabistherapien werden von spezialisierten Ärzt:innen durchgeführt, die regelmäßig mit entsprechenden Patient:innen arbeiten. Je nach Erkrankung kommen unterschiedliche Fachrichtungen infrage.
Schmerztherapeut:innen
Schmerztherapeut:innen behandeln komplexe chronische Schmerzsyndrome, bei denen herkömmliche Medikamente nicht ausreichend wirken. In solchen Fällen kann medizinisches Cannabis eine ergänzende Therapieoption darstellen.
Neurolog:innen
Bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder bestimmten Formen der Epilepsie kann Cannabis helfen, Symptome wie Spastiken oder Krampfanfälle zu lindern. Neurolog:innen prüfen hier individuell, ob eine Cannabistherapie sinnvoll ist.
Onkolog:innen
In der Krebstherapie wird medizinisches Cannabis häufig zur Linderung von Nebenwirkungen eingesetzt. Dazu gehören insbesondere Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie, sowie Appetitverlust.
Palliativmediziner:innen
In der Palliativmedizin steht die Verbesserung der Lebensqualität im Mittelpunkt. Cannabis kann hier helfen, Schmerzen, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit zu reduzieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass medizinisches Cannabis eine zunehmend anerkannte Therapieoption darstellt, die bei bestimmten Indikationen von speziell geschulten Ärzt:innen verschrieben werden kann. Die genauen Regularien und Voraussetzungen können je nach Land variieren, doch die Grundprinzipien der Verschreibung und Anwendung bleiben ähnlich.

So läuft die Verschreibung beim Cannbis Arzt ab
Der Weg zu einer Cannabistherapie folgt einem strukturierten medizinischen Prozess. Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Behandlung medizinisch sinnvoll ist und individuell angepasst wird.
Erstgespräch und medizinische Anamnese
Zu Beginn führt der Cannabis Arzt ein ausführliches Gespräch mit Dir. Dabei werden Deine Krankengeschichte, bisherige Therapien und aktuelle Beschwerden erfasst. Gleichzeitig wird geprüft, ob andere Behandlungen bereits ausgeschöpft wurden.
Diagnose und Prüfung der Indikation
Auf Basis der medizinischen Unterlagen entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob eine Cannabistherapie medizinisch gerechtfertigt ist. Dabei werden sowohl mögliche Vorteile als auch potenzielle Risiken berücksichtigt.
Individuelle Therapieplanung
Wenn eine Therapie infrage kommt, wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Dieser umfasst unter anderem die Auswahl des passenden Cannabisprodukts sowie die Festlegung der Dosierung.
Rezept und Bezug in der Apotheke
Seit dem 1. April 2024 wird medizinisches Cannabis nicht mehr über ein BtM-Rezept verschrieben. Stattdessen erfolgt die Verschreibung über ein normales ärztliches Rezept. Mit diesem Rezept kannst Du das Medikament in einer Apotheke erhalten.
Begleitung und Monitoring der Therapie
Nach Beginn der Behandlung finden regelmäßige Kontrolltermine statt. Dabei überprüft der Cannabis Arzt, ob sich Deine Symptome verbessern und ob Anpassungen der Dosierung notwendig sind.
Was Sie über das Cannabis-Rezept wissen sollten
Ein Rezept für medizinisches Cannabis ist seit dem 1. April 2024 kein BtM-Rezept mehr. Es gelten folgende neue Regelungen:
- Aufbau und Sicherheitsmerkmale: Ein normales Rezeptformular wird verwendet, das jedoch den spezifischen Anforderungen für medizinisches Cannabis entspricht.
- Voraussetzungen für die Ausstellung: Jeder zugelassene und zur Verschreibung berechtigte Arzt oder Ärztin kann Cannabis verschreiben. Das Rezept muss vollständig und korrekt ausgefüllt sein, einschließlich Angaben zur Dosierung und Anwendung des Cannabisprodukts.
- Abgabe in der Apotheke: Die Patient:innen reichen das Rezept in einer Apotheke ein, die zur Abgabe von medizinischem Cannabis berechtigt ist. Die Apotheke überprüft das Rezept auf Vollständigkeit und Richtigkeit, bevor sie das Cannabisprodukt ausgibt.
- Aufbewahrung und Dokumentation: Sowohl der Arzt oder die Ärztin, als auch die Apotheke sind verpflichtet, die Verschreibung und Abgabe von medizinischem Cannabis genau zu dokumentieren. Diese Dokumentationen müssen für eine bestimmte Zeit aufbewahrt und bei Bedarf den Behörden vorgelegt werden
Medizinisches Cannabis ist in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich. Welche Variante eingesetzt wird, hängt von der Erkrankung, den individuellen Bedürfnissen der Patient:innen und der gewünschten Wirkungsdauer ab.
Cannabisblüten
Cannabisblüten sind getrocknete Blüten der Cannabispflanze. Sie werden häufig mit einem medizinischen Vaporizer inhaliert. Durch die Inhalation gelangt der Wirkstoff schnell in den Blutkreislauf, wodurch eine relativ schnelle Wirkung einsetzt.
Cannabisextrakte und Öle
Extrakte enthalten konzentrierte Cannabinoide und ermöglichen eine sehr präzise Dosierung. Sie werden meist oral eingenommen oder unter die Zunge getropft. Die Wirkung setzt langsamer ein, hält dafür jedoch länger an.
Kapseln und Tabletten
Diese Darreichungsform bietet eine standardisierte Dosierung und ist besonders diskret in der Anwendung. Sie eignet sich vor allem für Patient:innen, die eine konstante Wirkstoffmenge benötigen.
Topische Anwendungen
Cremes, Salben oder Balsame mit Cannabinoiden werden direkt auf die Haut aufgetragen. Sie können bei lokalen Schmerzen oder bestimmten Hautproblemen eingesetzt werden.
Welche Wirkstoffe enthält medizinisches Cannabis?
Die wichtigsten Wirkstoffe im medizinischen Cannabis sind THC und CBD. Beide gehören zur Gruppe der Cannabinoide und wirken über das sogenannte Endocannabinoid-System im menschlichen Körper. Dieses System ist an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt, darunter Schmerzregulation, Immunfunktion, Stimmung, Schlaf und Appetit.
THC besitzt unter anderem schmerzlindernde, muskelentspannende und appetitstimulierende Eigenschaften. CBD wirkt hingegen entzündungshemmend, krampflösend und angstlösend. In vielen Therapien werden beide Wirkstoffe kombiniert eingesetzt, um die therapeutischen Effekte zu verstärken und Nebenwirkungen zu reduzieren. Neben THC und CBD enthält Cannabis weitere Cannabinoide sowie Terpene. Diese Stoffe können ebenfalls zur medizinischen Wirkung beitragen.
Mögliche Nebenwirkungen einer Cannabistherapie
Wie bei jedem Medikament können auch bei medizinischem Cannabis Nebenwirkungen auftreten. Diese hängen von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Dosierung, der Darreichungsform und der individuellen Empfindlichkeit.
Zu den häufigeren Nebenwirkungen gehören Schwindel, Müdigkeit, Mundtrockenheit oder eine leichte Beeinträchtigung der Konzentration. In manchen Fällen können auch Veränderungen des Blutdrucks oder des Appetits auftreten. Psychoaktive Effekte sind insbesondere bei THC-haltigen Produkten möglich. Dazu zählen beispielsweise Euphorie, Unruhe oder Angstgefühle. Deshalb ist eine sorgfältige Dosierung und ärztliche Begleitung wichtig. In seltenen Fällen können schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten, etwa starke Angstzustände oder Herz-Kreislauf-Beschwerden. Wenn solche Symptome auftreten, sollte die Therapie umgehend ärztlich überprüft werden.
Eine enge Zusammenarbeit mit Deinem behandelnden Cannabis Arzt hilft dabei, Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und die Therapie entsprechend anzupassen.
Neue Ansätze zur Nutzung von Cannabidiol (CBD)
Die Erforschung und Anwendung von CBD in der Medizin entwickelt sich stetig weiter. Neue Ansätze zur Nutzung von CBD umfassen:
- Mikrodosierung: Die Praxis der Mikrodosierung von CBD zur kontinuierlichen, gering dosierten Anwendung zielt darauf ab, die therapeutischen Vorteile von CBD zu maximieren und Nebenwirkungen zu minimieren. Dies kann besonders nützlich bei der Behandlung von Angst, Schlafstörungen und chronischen Schmerzen sein.
- Transdermale Anwendungen: CBD wird in Form von Pflastern, Cremes und Salben entwickelt, die direkt auf die Haut aufgetragen werden. Diese Methode ermöglicht eine gezielte Behandlung von lokalen Schmerzen und Entzündungen und bietet eine Alternative zur oralen Einnahme.
- Nanotechnologie: Durch die Anwendung von Nanotechnologie kann die Bioverfügbarkeit von CBD verbessert werden. Nano-CBD-Produkte ermöglichen eine schnellere und effektivere Absorption, was zu einer besseren Wirksamkeit bei geringeren Dosen führen kann.
- Kombinationstherapien: CBD wird zunehmend in Kombination mit anderen Therapien untersucht. Dazu gehören Kombinationen mit anderen Cannabinoiden (wie THC) oder mit konventionellen Medikamenten zur Verstärkung der therapeutischen Wirkung und zur Reduzierung von Nebenwirkungen.
- Psychoaktive Modulation: CBD wird auch als Modulator für die psychoaktiven Effekte von THC verwendet. Durch die Kombination von CBD mit THC können die unerwünschten psychoaktiven Effekte von THC abgeschwächt und gleichzeitig die therapeutischen Vorteile beider Cannabinoide genutzt werden.
- Neue Darreichungsformen: Es werden ständig neue Darreichungsformen entwickelt, wie wasserlösliche CBD-Formulierungen, die die Absorption im Körper verbessern und vielseitigere Anwendungsmöglichkeiten bieten.
Diese neuen Ansätze erweitern die Möglichkeiten der medizinischen Anwendung von CBD und tragen dazu bei, dass immer mehr Patient:innen von den potenziellen therapeutischen Vorteilen profitieren können.
Fazit: Der Cannabis Arzt begleitet Dich sicher durch die Therapie
Ein spezialisierter Cannabis Arzt ist die zentrale medizinische Ansprechperson, wenn es um eine Therapie mit medizinischem Cannabis geht. Es wird sorgfältig geprüft ob eine Behandlung für Deine individuelle Situation sinnvoll ist, ein individueller Therapieplan erstellt und Du wirst während des gesamten Behandlungsprozesses begleitet.
Durch eine fundierte Diagnostik, regelmäßige Kontrollterminen und eine individuell angepasste Dosierung kann medizinisches Cannabis bei bestimmten Erkrankungen eine wirksame Ergänzung zu bestehenden Therapien sein. Ein erfahrener Cannabis Arzt stellt dabei sicher, dass die Behandlung medizinisch begründet, sicher durchgeführt und kontinuierlich an Deine Bedürfnisse angepasst wird.
FAQ zum Thema Cannabis Arzt
Im Folgenden findest Du Antworten auf weitere Fragen zum Thema.
Was versteht man unter der Therapie mit medizinischem Cannabis?
Die Therapie mit medizinischem Cannabis bezeichnet die Verwendung von cannabinoidhaltigen Arzneimitteln zur Behandlung bestimmter Krankheiten und Symptome.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit eine Ärztin Cannabis auf Rezept verschreiben kann?
Der Arzt oder die Ärztin muss eine ärztliche Stellungnahme abgeben und die entsprechende Qualifikation, sowie Kenntnisse im Bereich der Cannabis-Therapie nachzuweisen.
Welche Krankheiten können mit medizinischem Cannabis behandelt werden?
Medizinisches Cannabis kann zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen wie chronischen Schmerzen, Spastiken, Übelkeit und Appetitlosigkeit eingesetzt werden.
Darf ein Arzt oder eine Ärztin in Deutschland medizinisches Cannabis verschreiben?
Ja, ein Arzt oder eine Ärztin darf in Deutschland medizinisches Cannabis verschreiben, wenn eine medizinische Indikation vorliegt und andere Therapien erfolglos waren.
Welche Vorteile bietet die Verschreibung von Cannabis für medizinische Zwecke?
Die Verschreibung von Cannabis kann eine spürbare positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome haben und somit die Lebensqualität von Patient:innen verbessern.
Wo können Patient:innen medizinisches Cannabis in der Apotheke beziehen?
Patient:innen können medizinisches Cannabis in Apotheken beziehen, die für den Verkauf von Cannabis als Arzneimittel zugelassen sind.
Warum ist die Verordnung von medizinischem Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert?
Die Teil-Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke in Deutschland erfolgte aufgrund zahlreicher Studien, die eine positive Wirkung bei bestimmten Erkrankungen belegten.