CBG gehört zu den weniger bekannten Inhaltsstoffen der Cannabispflanze, rückt aber zunehmend in den Fokus der Forschung. Zur CBG Wirkung gibt es erste interessante Erkenntnisse, etwa zu Stress, Entzündungsprozessen und weiteren möglichen Einsatzgebieten. Dieser Beitrag erklärt verständlich, was CBG ist, wie Cannabigerol im Körper wirken könnte und welche Fragen noch erforscht werden.
Das Wichtigste in Kürze
- CBG steht für Cannabigerol. Es kann aus dem pflanzlichen Ausgangsstoff CBGA entstehen, etwa beim Erhitzen. In reifen Cannabispflanzen ist CBG meist nur in kleinen Mengen enthalten.
- CBG verursacht nach bisherigem Kenntnisstand keine THC-typischen Veränderungen der Wahrnehmung. CBG-Produkte können jedoch THC enthalten.
- Eine kleine Studie mit 34 gesunden Erwachsenen liefert erste Hinweise auf weniger subjektive Angst und Stress.
- Dosierung, Langzeitverträglichkeit und mögliche Wechselwirkungen werden noch erforscht. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist eine Rücksprache mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen sinnvoll.
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Was ist CBG?
CBG steht für Cannabigerol. Es ist ein natürlicher Inhaltsstoff der Cannabispflanze. Im Vergleich zu THC und CBD kommt CBG in vielen reifen Pflanzen nur in kleinen Mengen vor. Durch gezielte Züchtung lässt sich sein Anteil erhöhen. CBG wird manchmal als Mutter aller Cannabinoide bezeichnet. Genauer wäre dieser Name für CBGA, die Vorstufe von CBG. Die Pflanze bildet aus CBGA auch andere Stoffe, darunter die Vorstufen von THC und CBD. Bleibt CBGA übrig, kann daraus etwa beim Erhitzen CBG entstehen. Dieser Vorgang heißt Decarboxylierung.

Wie entsteht CBG in der Cannabispflanze?
Während die Pflanze reift, wandelt sie einen großen Teil des CBGA in Vorformen anderer Cannabinoide um, etwa in THCA und CBDA. Aus ihnen können beim Erhitzen THC und CBD entstehen. Verbleibendes CBGA kann durch Wärme zu CBG werden. Wie viel CBG ein Produkt enthält, hängt unter anderem von der Genetik der Pflanze, dem Erntezeitpunkt, der Lagerung und der Verarbeitung ab. Eine Laboranalyse der jeweiligen Charge ist deshalb aussagekräftiger als der Sortenname.
Verändert CBG die Wahrnehmung ähnlich wie THC?
Nach bisherigem Kenntnisstand verursacht CBG nicht die für THC typischen Veränderungen der Wahrnehmung. In einer kleinen placebokontrollierten Studie mit 34 Erwachsenen zeigten sich nach einer einmaligen Einnahme von 20 Milligramm CBG keine entsprechenden subjektiven Effekte und keine Einschränkungen bei den untersuchten Denk- und Bewegungsaufgaben. Zu höheren Einzeldosen liegen inzwischen erste Daten vor. Die Wirkung bei regelmäßiger Einnahme ist weiterhin nicht ausreichend untersucht. Eine Aussage zur Fahrtüchtigkeit lässt sich aus der Studie nicht ableiten.
Wie könnte die CBG Wirkung im Körper entstehen?
CBG könnte an verschiedenen Stellen im Körper wirken. Laboruntersuchungen zeigen, dass es unter anderem an die Rezeptoren CB1 und CB2 bindet. Das sind Empfangsstellen an Zellen des Endocannabinoid-Systems. CB1 kommt besonders häufig an Nervenzellen vor und ist etwa an der Verarbeitung von Schmerzsignalen beteiligt. CB2 findet sich vor allem an Immunzellen und spielt bei Immunreaktionen eine Rolle. An beide Rezeptoren bindet CBG schwächer als THC.
Eine Studie fasst weitere Laborbefunde zusammen. CBG könnte auch andere Vorgänge beeinflussen, über die Zellen Signale empfangen und weitergeben. Wie bedeutsam diese Beobachtungen für den Menschen sind und ob sich daraus ein medizinischer Nutzen ergibt, müssen klinische Studien erst zeigen.

CBG Wirkung: Was zeigt die Forschung bisher?
Die Forschung zu CBG entwickelt sich stetig weiter, befindet sich im Vergleich zu THC und CBD jedoch noch in einer frühen Phase. Viele Erkenntnisse stammen aus präklinischen Untersuchungen. Sie zeigen, welches Wirkungspotential naheliegt und liefern Ansatzpunkte für klinische Studien, also Untersuchungen mit Menschen.
Angst und Stress: erste kontrollierte Humanstudie
In einer doppelblinden Crossover-Studie von 2024 erhielten 34 gesunde Erwachsene an zwei Terminen entweder 20 Milligramm CBG oder ein Placebo, also ein Präparat ohne CBG. „Doppelblind“ bedeutet, dass weder Teilnehmende noch Forschende wussten, welches Präparat jeweils eingesetzt wurde. Beim Crossover-Design erhielten dieselben Personen nacheinander beide Varianten.
Nach der Einnahme von CBG berichteten die Teilnehmenden im Vergleich zu Placebo weniger Angst und zu einem frühen Messzeitpunkt weniger Stress. Auch ein verbaler Gedächtnistest fiel besser aus. Hinweise auf THC-typische Veränderungen der Wahrnehmung oder Einschränkungen in den untersuchten Denk- und Bewegungsaufgaben zeigten sich nicht. Die Ergebnisse sind ein interessanter erster Ansatz, da allerdings lediglich 34 gesunde Erwachsene untersucht wurden, sie an jedem Termin nur eine Einzeldosis erhielten und die Untersuchung per Videokonferenz bei ihnen zu Hause stattfand, sind auch noch größere und längere Studien mit Patient:innen nötig, um ein klares Bild zu zeichnen.
Schmerzen und Entzündungen
Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu CBG fasst präklinische Untersuchungen zusammen, in denen Cannabigerol Vorgänge der Entzündungs- und Schmerzverarbeitung beeinflusste. Diese Ergebnisse machen CBG für die weitere Forschung interessant. Ob und in welcher Dosierung daraus eine verlässliche Wirkung bei Patient:innen entsteht, sollen größere kontrollierte Studien klären.
Eine Onlinebefragung von 127 Nutzer:innen CBG-dominanter Produkte erfasste vor allem Anwendungen bei Angst, chronischen Schmerzen, Depressionen und Schlafproblemen. Viele Teilnehmende bewerteten ihre Erfahrungen positiv. Da es keine Vergleichsgruppe gab, die Produkte unterschiedlich zusammengesetzt waren und die Angaben auf persönlichen Einschätzungen beruhten, lässt sich daraus allein noch keine Wirksamkeit ableiten. Die Ergebnisse zeigen aber, welche Anwendungsbereiche in klinischen Studien näher untersucht werden könnten.
Darm und entzündliche Darmerkrankungen
In einer präklinischen Studie zu Darmentzündungen gingen unter CBG mehrere Entzündungszeichen zurück. Das macht den Wirkstoff für die weitere Forschung interessant. Ob CBG Menschen mit Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder anderen Darmbeschwerden helfen kann, ist jedoch offen.
Nervensystem und mögliche schützende Effekte
In einer präklinischen Studie zur Huntington-Krankheit beeinflusste CBG unter anderem Bewegungsleistungen und Messwerte im Nervengewebe. Die Ergebnisse liefern erste Hinweise auf mögliche schützende Effekte für Nervenzellen. Ob CBG Patient:innen mit Huntington helfen kann, ist bislang ungeklärt.
Antibakterielle Eigenschaften
Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass CBG gegen bestimmte Bakterien aktiv sein kann, darunter antibiotikaresistente Stämme. Das eröffnet interessante Perspektiven für die Entwicklung neuer antibakterieller Wirkstoffe. Die untersuchten Konzentrationen und Versuchsbedingungen lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf Menschen übertragen. CBG ist deshalb derzeit keine Behandlung für bakterielle Infektionen und ersetzt kein medizinisch erforderliches Antibiotikum.
Wie ist die Studienlage zu CBG einzuordnen?
Der bisherige Forschungsstand liefert interessante Hinweise, aber noch kein vollständiges Bild. Viele Erkenntnisse stammen aus präklinischen Untersuchungen, also aus Forschung vor klinischen Studien am Menschen. Sie helfen, mögliche Wirkweisen von CBG zu verstehen. Ob CBG Patient:innen bei einer Erkrankung hilft, können sie jedoch nicht zeigen. Dafür braucht es kontrollierte Studien mit ausreichend vielen Patient:innen, einheitlich zusammengesetzten Präparaten und längeren Beobachtungszeiten.
Noch untersucht werden unter anderem geeignete Dosierungen, die Verträglichkeit bei längerer Anwendung und der Vergleich mit etablierten Behandlungen. Auch Alter, Leberfunktion, Begleitmedikation, Darreichungsform und weitere Cannabinoide können beeinflussen, wie CBG aufgenommen und vertragen wird. Ergebnisse zu einem bestimmten Präparat lassen sich deshalb nicht automatisch auf alle CBG-Produkte übertragen.
Eine pharmakokinetische Pilotstudie von 2024 untersuchte eine eingenommene Einzeldosis von 25 Milligramm CBG. Pharmakokinetik beschreibt, wie ein Wirkstoff aufgenommen, im Körper verteilt und wieder ausgeschieden wird. In der Studie beeinflusste eine fettreiche Mahlzeit die CBG-Konzentration im Blut stärker als die getestete Zubereitungsform. Das zeigt, dass auch die Nahrungsaufnahme eine Rolle spielen kann. Welche Dosierung bei einer Erkrankung wirksam wäre, wurde dabei nicht untersucht.
Eine weitere kleine Humanstudie von 2026 untersuchte bei 12 gesunden Erwachsenen einmalige CBG-Dosen von 25, 50, 100 und 200 Milligramm. Insgesamt wurde CBG kurzfristig gut vertragen. Die Forschenden stellten keine CBG-bedingten unerwünschten Ereignisse fest. Auch diese Studie untersuchte weder eine regelmäßige Einnahme noch die Behandlung einer Erkrankung.
CBG, CBD und THC im Vergleich
CBG, CBD und THC stammen aus derselben Pflanze, sind aber eigenständige Cannabinoide. Sie unterscheiden sich in ihrer Entstehung, ihren möglichen Wirkungen und im Umfang der Forschung. Der Vergleich dient der Orientierung. Wie ein konkretes Arzneimittel oder Cannabisprodukt wirkt, hängt zusätzlich von Zusammensetzung, Dosis und Anwendung ab.
| Merkmal |
CBG |
CBD |
THC |
| Vollständiger Name |
Cannabigerol |
Cannabidiol |
Tetrahydrocannabinol |
| THC-typische Veränderungen der Wahrnehmung |
Nach bisheriger Datenlage nicht zu erwarten |
Bei reinem CBD nicht zu erwarten |
Ja, dosisabhängig möglich |
| Klinische Datenlage |
Erste kleine Studien mit Menschen. Viele Fragen sind noch offen |
Für einzelne zugelassene Arzneimittel und Anwendungsgebiete vorhanden, nicht pauschal für CBD-Produkte |
Je nach Arzneimittel und Anwendungsgebiet unterschiedlich, deutlich breiter untersucht als CBG |
| Zu beachten |
Dosierung, Langzeitverträglichkeit und Wechselwirkungen werden weiter erforscht |
Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind möglich |
Kann Wahrnehmung, Reaktion, Kreislauf und Psyche beeinträchtigen |
Auch bei chemisch ähnlichen Stoffen hängt die tatsächliche Wirkung von Dosis, Aufnahmeweg, Produktzusammensetzung und individuellen Faktoren ab.
CBG: Verträglichkeit, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Welche Nebenwirkungen wurden bisher beschrieben?
In der Onlinebefragung zu CBG-dominanten Cannabisprodukten nannten Teilnehmende unter anderem Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, gesteigerten Appetit und trockene Augen. Die verwendeten Produkte waren nicht einheitlich und die Angaben wurden rückblickend erhoben. Daher ist nicht eindeutig, welchen Anteil CBG, andere Cannabinoide oder weitere Bestandteile an diesen Beobachtungen hatten.
Sind Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich?
In Laboruntersuchungen beeinflussten CBG-reiche Extrakte bestimmte Enzyme in der Leber, die am Abbau vieler Arzneimittel beteiligt sind. Ob daraus bei Menschen relevante Wechselwirkungen entstehen, ist noch nicht ausreichend geklärt, allerdings sollte bei regelmäßiger Einnahme von Medikamenten die Anwendung von CBG vorab mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen besprochen werden. Das gilt besonders bei müde machenden Arzneimitteln, mehreren gleichzeitig eingenommenen Wirkstoffen oder Medikamenten, bei denen schon kleine Änderungen der Wirkstoffkonzentration bedeutsam sein können.
Für Schwangerschaft und Stillzeit, Minderjährige sowie Menschen mit schweren Leber-, Herz-Kreislauf- oder psychischen Erkrankungen liegen bislang nur unzureichende Sicherheitsdaten vor. Eine individuelle Beratung hilft, Vorerkrankungen, Medikamente und die Zusammensetzung des konkreten Produkts zu berücksichtigen. Eine bestehende Behandlung sollte nicht eigenständig verändert werden.
Warum ist die Produktqualität entscheidend?
Frei verkaufte CBG-Öle und standardisierte Arzneimittel unterscheiden sich unter anderem in Prüfung und Qualitätsanforderungen. Bei CBG-Produkten können Konzentration, Reinheit und weitere Bestandteile variieren. Aussagekräftige Laborberichte, auch Analysenzertifikate genannt, weisen deshalb neben CBG auch THC, weitere Cannabinoide und mögliche Rückstände aus. Unabhängige Kontrollen bieten mehr Orientierung als allgemeine Werbebegriffe.
Vollspektrumprodukte enthalten neben CBG weitere Bestandteile der Cannabispflanze. Die Annahme, dass diese Stoffe gemeinsam anders wirken als einzeln, wird als Entourage-Effekt bezeichnet. Ob dieser gemeinsame Effekt bei CBG-Produkten klinisch relevant ist, wird noch untersucht.
Fazit: CBG Wirkung wissenschaftlich einordnen
CBG ist ein Phytocannabinoid mit mehreren interessanten Forschungsansätzen. Studien untersuchen unter anderem mögliche Zusammenhänge mit Entzündungen, Schmerzen, Darmgesundheit, Nervenzellen und Bakterien. Eine erste kleine placebokontrollierte Humanstudie liefert zudem Hinweise auf akute Effekte bei subjektiver Angst und Stress. Für konkrete Erkrankungen müssen Nutzen, Dosierung und Verträglichkeit jedoch noch in größeren klinischen Studien bestätigt werden.
CBG erweitert das Forschungsfeld zu Cannabinoiden, ist aber für die häufig beworbenen Anwendungsgebiete noch als effektiver Wirkstoff noch nicht vollständig belegt. Besonders relevant sind ausstehende Untersuchungen zur Langzeitanwendung, zu Wechselwirkungen und zu unterschiedlichen Produkten. Ist die Verwendung von CBG geplant, sollte auf eine nachvollziehbare Zusammensetzung geachtet und die Anwendung bei Vorerkrankungen oder regelmäßiger Medikation mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen besprochen werden.
Häufige Fragen zu CBG und CBG Wirkung
Hier findest du die wichtigsten Antworten zu CBG kompakt zusammengefasst.
Was ist CBG einfach erklärt?
CBG steht für Cannabigerol. Es ist ein natürlicher Inhaltsstoff der Cannabispflanze und kommt in vielen reifen Pflanzen nur in kleinen Mengen vor.
Welche Wirkung hat CBG?
Eine kleine Studie mit gesunden Erwachsenen liefert erste Hinweise auf weniger subjektive Angst und Stress. Für andere mögliche Anwendungen ist ein medizinischer Nutzen bisher nicht ausreichend belegt.
Verändert CBG die Wahrnehmung wie THC?
CBG allein verursacht nach bisherigem Kenntnisstand keine für THC typischen Veränderungen der Wahrnehmung. CBG-Produkte können jedoch THC oder andere wirksame Bestandteile enthalten. Ihre Wirkung hängt deshalb auch von der Zusammensetzung ab.
Was unterscheidet CBG von CBD?
CBG kommt in vielen reifen Cannabispflanzen nur in kleinen Mengen vor; CBD kann je nach Sorte deutlich stärker vertreten sein. Beide beeinflussen in Laborstudien mehrere Signalwege, aber mit unterschiedlichem Wirkprofil. CBG kann unter anderem CB1- und CB2-Rezeptoren beeinflussen. CBD ist beim Menschen deutlich besser untersucht.
In welchen Bereichen wird CBG erforscht?
Erforscht wird CBG unter anderem bei Stress, Schmerzen, Angst, Entzündungen und Darmerkrankungen. Die meisten Erkenntnisse stammen bisher aus präklinischen Untersuchungen.
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