Hast du dich schon mal gefragt, warum dieselbe Cannabissorte bei deinen Freunden totale Entspannung auslöst, während du dich vielleicht eher unruhig fühlst? Oder warum manche nach einem Edible stundenlang „out of order“ sind, während andere kaum etwas merken? Die Antwort darauf liegt tatsächlich nicht nur in der Qualität der Blüte. Der entscheidende Faktor ist dein Stoffwechsel. Wenn wir über die Wirkung von Cannabis im Körper sprechen, müssen wir tief in die Biologie eintauchen. Dorthin, wo deine Enzyme und deine DNA die Regie führen.

Das Fundament: Dein Endocannabinoid-System (ECS)
Bevor wir uns den Abbau anschauen, müssen wir zunächst verstehen, wo die Wirkstoffe überhaupt andocken. Dein Körper besitzt ein eigenes Endocannabinoid-System (ECS). Dabei handelt es sich um ein Netzwerk aus Rezeptoren (CB1 und CB2), das wie ein interner Regler für Schmerz, Stimmung, Schlaf und das Immunsystem funktioniert.
Normalerweise nutzt dein Körper dieses System, um sich selbst im Gleichgewicht zu halten. Die Wirkstoffe der Cannabispflanze greifen genau hier ein:
- THC wirkt wie ein passgenauer Schlüssel für die CB1-Rezeptoren (vor allem im Gehirn). Das sorgt für das typische „High“, steuert aber auch das Schmerzempfinden.
- CBD dockt nicht direkt an, sondern arbeitet eher im Hintergrund. Es moduliert die Rezeptoren und kann so die intensive Wirkung von THC abpuffern oder entspannend wirken.
Warum sich das bei jedem anders anfühlt? Hier kommen deine Gene ins Spiel. Diese entscheiden nämlich darüber, wie viele dieser Rezeptoren du hast und wie schnell dein Körper die „Schlüssel“ wieder aus dem Schloss zieht. Eine detaillierte Beleuchtung der neurowissenschaftlichen Prozesse findest du in unserem Ratgeber.
Der Weg durch dein System: Inhalation vs. Orale Einnahme
Wie schnell und intensiv die Wirkung von Cannabis im Körper eintritt, hängt massiv davon ab, wie du es zu dir nimmst. Dein Körper verarbeitet die Wirkstoffe auf völlig unterschiedlichen Wegen:
- Inhalation (Vaporisieren): Hier ist die Lunge die Abkürzung. Dadurch gelangt der Wirkstoff innerhalb von Sekunden direkt in den Blutkreislauf und erreicht fast sofort das Gehirn. Das macht die Wirkung sehr gut steuerbar, da man den Effekt unmittelbar spürt.
- Orale Einnahme (Edibles/Extrakte): Hier begibt sich das Cannabis auf eine längere Reise durch den Magen und die Leber (der sogenannte First-Pass-Effekt). Dabei passiert etwas Spannendes: Die Leber wandelt THC in 11-Hydroxy-THC um. Diese Form ist oft deutlich potenter und wirkt länger als das inhalierte THC. Deshalb setzt die Wirkung oft erst nach 30 bis 90 Minuten ein, dann aber meist wesentlich intensiver.
Daher ist die Wahl der Methode und vor allem die richtige Dosierung von medizinischem Cannabis entscheidend für deinen Therapieerfolg. Besonders bei der oralen Einnahme gilt die goldene Regel: „Start low, go slow“, um den Körper nicht zu überfordern.
Das Herzstück: Die Rolle deiner Gene im Metabolismus
Hier wird es für die personalisierte Medizin besonders spannend. Denn die Wirkung von Cannabis endet nicht bei der Aufnahme, sie entscheidet sich maßgeblich in deiner Leber. Man kann sich die Leber als das hochspezialisierte Labor deines Körpers vorstellen. Die dort arbeitenden „Laboranten“ sind Enzyme, insbesondere aus der sogenannten Cytochrom-P450-Familie (allen voran die Enzyme CYP2C9 und CYP3A4).
Diese Enzyme haben die Aufgabe, die Cannabinoide zu verarbeiten und für den Abbau vorzubereiten. Allerdings arbeitet nicht jedes Labor mit der gleichen Geschwindigkeit.
Warum deine DNA den Takt angibt
Deine Gene bestimmen, wie viele dieser Enzyme du hast und wie schnell sie arbeiten. In der Wissenschaft unterscheidet man grob drei Typen:
- Poor Metabolizers (Langsame Verwerter): Deine Enzyme arbeiten im Schneckentempo. Das THC bleibt viel länger aktiv in deinem System. Du spürst die Wirkung intensiver und bist anfälliger für Nebenwirkungen.
- Extensive Metabolizers (Normaltyp): Dein Körper baut die Cannabinoide in der erwarteten Geschwindigkeit ab.
- Ultra-rapid Metabolizers (Schnelle Verwerter): Dein Körper räumt so schnell auf, dass die therapeutische Wirkung verpuffen kann, bevor sie richtig hilft.
Warum ist dieses Wissen für dich wichtig?
Die Genetik erklärt das Phänomen, warum manche Patienten bereits bei kleinsten Mengen eine starke Erleichterung spüren, während andere kaum eine Veränderung wahrnehmen. Wenn du in der Vergangenheit bereits festgestellt hast, dass du sehr empfindlich oder ungewöhnlich schwach auf Medikamente reagierst, könnte eine genetische Variante deiner Enzyme die Ursache sein.
Dieses Verständnis ist der Schlüssel zur personalisierten Therapie: Es hilft nicht nur dabei, die ideale Menge zu finden, sondern erhöht auch die Sicherheit deiner Behandlung massiv, indem Überdosierungen oder Wirkungslosigkeit von vornherein vermieden werden können.
Abbau und Nachweisbarkeit
Ein wichtiger Aspekt der Wirkung von Cannabis im Körper ist, dass das spürbare High meist deutlich schneller verfliegt, als die chemischen Rückstände aus deinem System verschwinden. Da Cannabinoide extrem fettlöslich (lipophil) sind, lagern sie sich hartnäckig in deinen Fettdepots ein und werden von dort nur sehr langsam wieder in den Blutkreislauf abgegeben. Besonders das inaktive Abbauprodukt THC-COOH bleibt so oft noch lange nachweisbar, obwohl die aktive Wirkung längst abgeklungen ist.
Da jeder Stoffwechsel aufgrund der genetischen Veranlagung und des Körperfettanteils individuell arbeitet, gibt es keine allgemeingültigen Fixwerte für die Dauer der Nachweisbarkeit. Um dir dennoch eine Orientierung zu bieten, haben wir basierend auf wissenschaftlichen Daten eine Übersicht mit ungefähren Richtwerten erstellt.
Praxis-Tipps: So nutzt du dieses Wissen für dich
Die Theorie hinter der Wirkung von Cannabis im Körper zu kennen ist der erste Schritt, aber wie setzt du das im Alltag um? Hier sind konkrete Maßnahmen, die dir helfen, deine Therapie sicherer und effektiver zu gestalten:
- Arztgespräch optimieren: Prüfe vor deinem nächsten Termin, ob du in der Vergangenheit bereits ungewöhnlich stark oder schwach auf Medikamente (z. B. Schmerzmittel oder Antidepressiva) reagiert hast. Diese Erfahrungen sind wertvolle Hinweise für deinen Arzt, ob du eventuell ein langsamer oder schneller Stoffwechsel-Typ bist.
- Einnahmetagebuch führen: Dokumentiere nicht nur die Menge, sondern auch die Art der Einnahme (z. B. nach dem Essen oder auf nüchternen Magen) und wie du dich nach ein, zwei und vier Stunden fühlst. So erkennst du Muster, die auf deine individuelle genetische Veranlagung hindeuten.
- Geduld bei Methodenwechseln: Wenn du von Inhalation auf orale Einnahme (Extrakte) umsteigst, denke an den „First-Pass-Effekt“. Gib deinem Körper mindestens 90 Minuten Zeit, bevor du über eine Anpassung nachdenkst.
- Vorsicht bei Mischmedikation: Falls du andere Medikamente einnimmst, achte auf Anzeichen von verstärkten Nebenwirkungen deiner Standardmedikamente, da Cannabis die gleichen Abbauwege in der Leber nutzt.
Fazit: Wirkung von Cannabis im Körper: Dein Körper ist individuell
Zusammenfassend lässt sich die Wirkung von Cannabis im Körper als ein individueller Prozess beschreiben, der maßgeblich von drei Faktoren gesteuert wird:
- Das Endocannabinoid-System (ECS): Als biologisches Fundament fungieren die CB1- und CB2-Rezeptoren. Während THC als Agonist an CB1-Rezeptoren im Gehirn wirkt, moduliert CBD das System indirekt.
- Die genetische Prädisposition: Variationen in der DNA bestimmen die Enzymaktivität der Cytochrom-P450-Familie (vor allem CYP2C9 und CYP3A4). Diese Genetik teilt Konsumenten in langsame (Poor), normale (Extensive) und schnelle (Ultra-rapid) Verwerter ein, was die Intensität und Dauer des Effekts massiv beeinflusst.
- Die Applikationsform: Die Inhalation führt zu einem sofortigen Wirkungseintritt über die Lunge, während die orale Einnahme durch den First-Pass-Effekt in der Leber potenteres 11-Hydroxy-THC erzeugt.
Da die Nachweisbarkeit aufgrund der Lipophilie (Fettlöslichkeit) von Cannabinoiden und der individuellen Stoffwechselrate stark variiert, ist eine personalisierte Herangehensweise unter ärztlicher Aufsicht essenziell. Die Kombination aus genetischem Wissen und präziser Dosierung bildet die Basis für eine sichere und effektive Therapie.