Auf der Suche nach natürlichen Alternativen rückt medizinisches Cannabis immer stärker in den Fokus von Patient:innen. Doch kann Cannabis gegen Bluthochdruck tatsächlich eine sinnvolle Unterstützung sein? Während Cannabinoide bei bestimmten Formen chronischer Schmerzen oder Schlafstörungen bereits therapeutisch eingesetzt werden, erfordert ihre Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System eine differenzierte medizinische Betrachtung. Dieser Artikel beleuchtet, wie THC und CBD den Kreislauf beeinflussen und welche Risiken bestehen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Medizinisches Cannabis ist kein anerkanntes Standardmedikament zur primären Senkung von Bluthochdruck.
- Tetrahydrocannabinol (THC) kann die Herzfrequenz steigern, den Blutdruck kurzfristig erhöhen und so den Kreislauf spürbar belasten.
- Cannabidiol (CBD) hat in einzelnen präklinischen Studien blutdrucksenkende und Gefäß entspannende Effekte gezeigt, ist aber keinesfalls eine gesicherte Behandlung bei Hypertonie.
- Bei gleichzeitiger Einnahme von Blutdrucksenkern kann es zu klinisch relevanten Wechselwirkungen kommen.
- Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten Cannabisprodukte jeglicher Art ausschließlich nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt anwenden.
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Was bedeutet Bluthochdruck eigentlich?
Bluthochdruck, medizinisch arterielle Hypertonie, ist eine chronische Erkrankung des Gefäßsystems. Dabei ist der Druck, mit dem das Blut gegen die Arterienwände gepresst wird, dauerhaft erhöht. Kurzfristige Blutdruckanstiege bei körperlicher Anstrengung, Stress oder Aufregung sind normal. Problematisch wird es, wenn die Werte auch in Ruhephasen regelmäßig erhöht bleiben.
Langfristig kann ein dauerhaft erhöhter Blutdruck die Gefäßinnenwände schädigen und wichtige Organe belasten, darunter Herz, Gehirn, Nieren und Augen. Deshalb sollte Bluthochdruck nicht verharmlost werden. Viele Betroffene spüren lange keine eindeutigen Symptome, obwohl das Herz-Kreislauf-System bereits belastet sein kann.
Wann spricht man von Bluthochdruck?
Die Diagnose einer arteriellen Hypertonie basiert auf klaren medizinischen Richtwerten, die mittels zweier Zahlen ausgedrückt werden. Der erste, höhere Wert (systolisch) misst den Druck während des Herzschlags, während der zweite, niedrigere Wert (diastolisch) den Druck in der darauf folgenden Entspannungsphase anzeigt. Ein optimaler Ruhewert liegt im Bereich von 120 zu 80 mmHg. Von einem Bluthochdruck sprechen Fachkreise in der Regel dann, wenn bei wiederholten Messungen an verschiedenen Tagen Werte von 140 zu 90 mmHg oder höher festgestellt werden. Da ein einzelner Messwert stark durch Nervosität beeinflusst werden kann, oft als „Weißkittel-Effekt“ in der Arztpraxis bezeichnet, ist eine sorgfältige Abklärung, beispielsweise durch eine 24-Stunden-Langzeitmessung, für eine sichere Diagnose zwingend notwendig.

Wie Cannabis auf den Kreislauf wirken kann
Um zu verstehen, warum Cannabis den Kreislauf beeinflusst, muss man einen Blick auf das körpereigene Endocannabinoid-System (ECS) werfen. Dieses komplexe Netzwerk aus Rezeptoren (vor allem CB1 und CB2), körpereigenen Cannabinoiden und Enzymen zieht sich durch den gesamten menschlichen Organismus. Das ECS ist an der Aufrechterhaltung der Homöostase, also des inneren Gleichgewichts, beteiligt. Es spielt eine wesentliche Rolle bei der Steuerung der Herzfrequenz, der Regulation der Gefäßspannung (Vasodilatation und Vasokonstriktion), der akuten Stressreaktion sowie der allgemeinen Kreislaufregulation. Führt man dem Körper nun von außen pflanzliche Cannabinoide (Phytocannabinoide) zu, docken diese an eben jene Rezeptoren an und greifen in das Regulationssystem ein. Dabei ist eine leicht verständliche, aber essenzielle Tatsache wichtig. Cannabis wirkt nicht bei allen Menschen gleich. Die Zusammensetzung der Pflanze, die exakte Dosis, die gewählte Einnahmeform sowie individuelle Faktoren wie das Alter, der Trainingszustand und die Genetik spielen eine gewaltige Rolle bei der Frage, wie das Herz-Kreislauf-System letztlich reagiert.
THC und Blutdruck: Warum der Kreislauf kurzfristig reagieren kann
THC ist das bekannteste Cannabinoid der Cannabispflanze und für die berauschende Wirkung verantwortlich. Es kann auch den Kreislauf beeinflussen. Nach der Einnahme kann es kurzfristig dazu kommen, dass der Puls schneller wird, Herzklopfen spürbar ist oder der Blutdruck vorübergehend ansteigt. Manche Menschen fühlen sich dadurch unruhig oder körperlich belastet.
Gleichzeitig kann THC bei einigen Patient:innen auch Kreislaufprobleme auslösen, zum Beispiel Schwindel beim schnellen Aufstehen. Das passiert, wenn der Blutdruck kurzfristig abfällt. Besonders bei THC-reichen Präparaten, einer zu hohen Anfangsdosis oder bei Menschen, die empfindlich auf Kreislaufschwankungen reagieren, können solche Effekte stärker ausfallen. Deshalb sollte die Anwendung immer vorsichtig dosiert und ärztlich begleitet werden.
THC, CBD und Blutdruck: Was sagt die Studienlage?
Die Wirkung von Cannabis auf den Blutdruck hängt stark davon ab, welche Cannabinoide enthalten sind. THC kann den Kreislauf kurzfristig belasten, etwa durch schnelleren Puls, Herzklopfen oder Blutdruckschwankungen. Besonders bei THC-reichen Präparaten, hoher Anfangsdosis oder empfindlichen Patient:innen können diese Effekte stärker ausfallen.
CBD wirkt im Gegensatz zu THC nicht berauschend und wird im Zusammenhang mit Stressreaktionen, Gefäßspannung und Blutdruck erforscht. Einzelne präklinische Studien und kleinere Humanstudien geben Hinweise darauf, dass CBD die Blutdruckreaktion auf Stress beeinflussen und gefäßerweiternde Effekte haben könnte. Größere klinische Studien an Patient:innen mit Hypertonie fehlen jedoch bislang.
Deshalb sollten THC und CBD bei Blutdruckproblemen nicht gleich bewertet werden. Entscheidend sind Wirkstoffprofil, Dosierung, Einnahmeform, Begleitmedikation und individuelle Verträglichkeit. Cannabis kann aktuell nicht als gesicherte Blutdrucktherapie empfohlen werden.
Kann Cannabis gegen Bluthochdruck helfen?
Cannabis sollte nicht als direkte Behandlung gegen Bluthochdruck verstanden werden. Nach aktuellem Wissensstand ist medizinisches Cannabis keine gesicherte Therapie, um Hypertonie gezielt zu senken oder zu heilen. Wer vor allem unter Bluthochdruck leidet, sollte Cannabis deshalb nicht als Ersatz für eine ärztlich begleitete Blutdruckbehandlung einsetzen.
Eine indirekte Rolle kann medizinisches Cannabis nur in bestimmten Fällen spielen, etwa wenn es im Rahmen einer anderen Erkrankung Schmerzen, Schlafprobleme, Spastiken oder Stress reduziert. Dadurch kann sich die körperliche Belastung unter Umständen verringern. Das wäre jedoch ein möglicher Nebeneffekt einer verbesserten Gesamtsituation und keine gezielte Therapie gegen Bluthochdruck.
Wann besondere Vorsicht geboten ist
Bei Patient:innen mit unkontrolliertem Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, koronarer Herzerkrankung, erhöhtem Schlaganfallrisiko oder einer Neigung zu starkem Blutdruckabfall und Ohnmacht ist besondere Vorsicht geboten.
Auch ältere Patient:innen oder Menschen, die viele Medikamente gleichzeitig einnehmen, sollten Cannabis nur sehr sorgfältig und unter ärztlicher Begleitung anwenden. Der Körper kann empfindlicher reagieren, und das Risiko für Wechselwirkungen steigt.
Zusätzlich sollten Patient:innen vorsichtig sein, die auf THC mit Angst, Unruhe oder Panik reagieren. Solche Stressreaktionen können den Puls und Blutdruck zusätzlich erhöhen und den Kreislauf belasten. Gerade bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte deshalb vor der Anwendung genau geprüft werden, ob und welches Cannabis Präparat geeignet ist.
Cannabis, Blutdruckmedikamente und Wechselwirkungen
Ein besonders wichtiger Punkt sind mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Sowohl THC als auch CBD können beeinflussen, wie bestimmte Arzneimittel im Körper abgebaut werden. Das passiert vor allem über Enzyme in der Leber, die auch für viele andere Medikamente wichtig sind.
Relevant kann das unter anderem bei Blutdrucksenkern, Blutverdünnern, Beruhigungsmitteln, Antidepressiva und weiteren zentral wirksamen Medikamenten sein. Wenn Cannabisprodukte und Medikamente über ähnliche Wege im Körper verarbeitet werden, kann sich die Wirkung verändern. Medikamente können dann unter Umständen stärker, schwächer oder länger wirken als erwartet.
Das kann besonders bei Blutdruckmedikamenten problematisch sein. Im ungünstigen Fall kann die Wirkung zu stark ausfallen und der Blutdruck zu stark absinken. Oder die Wirkung kann abgeschwächt werden, sodass der Blutdruck nicht ausreichend kontrolliert ist. Deshalb sollte die Kombination von Cannabisprodukten und Blutdruckmedikamenten immer ärztlich oder pharmazeutisch abgeklärt werden.
Warum Ärzt:innen und Apotheker:innen über die Einnahme informiert sein sollten
Ärzt:innen und Apotheker:innen können nur dann sicher beraten, wenn sie wissen, welche Präparate eingenommen werden. Dazu gehören nicht nur verschreibungspflichtige Medikamente, sondern auch frei verkäufliche CBD-Produkte, pflanzliche Mittel, Nahrungsergänzungsmittel und medizinisches Cannabis.
Diese Offenheit ist wichtig, um mögliche Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und Kreislaufreaktionen richtig einzuschätzen. Wer aus Unsicherheit oder Scham bestimmte Produkte nicht erwähnt, erschwert eine sichere Behandlung. Je vollständiger die Informationen sind, desto besser kann die Therapie auf die individuelle Situation abgestimmt werden.
Ja, die Einnahmeform kann einen großen Unterschied machen. Beim Inhalieren, also beim Rauchen oder Verdampfen, gelangen die Wirkstoffe sehr schnell in den Blutkreislauf. Dadurch können Kreislaufreaktionen wie Herzklopfen, ein schneller Puls oder Blutdruckschwankungen schneller auftreten.
Bei der oralen Einnahme, zum Beispiel als Extrakt, Kapsel oder anderes Präparat, setzt die Wirkung meist später ein. Sie kann dafür länger anhalten. Der Wirkungseintritt ist oft weniger plötzlich, was bei richtiger Dosierung für manche Patient:innen besser verträglich sein kann. Entscheidend ist aber immer, wie schnell die Wirkstoffe im Körper ankommen, wie hoch die Dosis ist und wie empfindlich eine Person auf Cannabis reagiert.
Warum Rauchen den Kreislauf zusätzlich belasten kann
Das Rauchen von Cannabisblüten sollte aus Herz-Kreislauf-Sicht besonders kritisch betrachtet werden. Beim Verbrennen entstehen nicht nur Cannabinoide, sondern auch schädliche Stoffe wie Kohlenmonoxid, Teer und andere Verbrennungsprodukte.
Diese Stoffe können Herz, Gefäße und Lunge zusätzlich belasten. Kohlenmonoxid kann zum Beispiel die Sauerstoffversorgung im Körper verschlechtern. Das Herz muss dann stärker arbeiten, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.
Für Menschen mit Bluthochdruck oder bestehenden Herz-Kreislauf-Risiken kann diese zusätzliche Belastung ungünstig sein. Deshalb sollte die Einnahmeform bei medizinischem Cannabis immer bewusst mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen besprochen werden.
Welche Symptome sollten ernstgenommen werden?
Patient:innen sollten ihren Körper während der Anwendung aufmerksam beobachten. Bestimmte Symptome können ein Hinweis darauf sein, dass der Kreislauf zu stark belastet wird.
Ernst genommen werden sollten vor allem starkes oder anhaltendes Herzrasen, Brustschmerzen, Atemnot, starke Schwindelgefühle, Ohnmacht oder das Gefühl, kurz davor zu sein. Auch ungewöhnlich hohe Blutdruckwerte, die nicht wieder sinken, oder neurologische Beschwerden wie Sprachprobleme, Taubheitsgefühle oder starke Kopfschmerzen sollten sofort abgeklärt werden.
Bei solchen Beschwerden sollte die Anwendung nicht einfach fortgesetzt werden. Stattdessen sollte ein ärztlicher Rat eingeholt oder im Notfall der ärztliche Notdienst kontaktiert werden.
Was bedeutet das für Patient:innen mit medizinischem Cannabis?
Patient:innen, die medizinisches Cannabis verordnet bekommen und gleichzeitig unter Bluthochdruck leiden, müssen nicht automatisch besorgt sein. Wichtig ist aber, die eigene Reaktion gut zu beobachten.
Sinnvoll kann es sein, Blutdruck und Puls regelmäßig in Ruhe zu messen und in einem Blutdruck Tagebuch zu dokumentieren. Auch Symptome wie Schwindel, Herzklopfen, starke Müdigkeit oder ungewöhnliche Kreislaufreaktionen sollten notiert werden.
Die Cannabis-Therapie sollte regelmäßig mit den behandelnden Ärzt:innen oder Apotheker:innen besprochen werden. So kann geprüft werden, ob Dosierung, Wirkstoffprofil und Einnahmeform weiterhin passend sind.
Was bedeutet das für Ärzt:innen und Apotheker:innen?
Patient:innen mit Bluthochdruck sollten Cannabisprodukte nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden. Sinnvoll ist es, Blutdruck und Puls regelmäßig zu messen und Symptome wie Schwindel, Herzklopfen, starke Müdigkeit oder ungewöhnliche Kreislaufreaktionen zu dokumentieren.
Für Ärzt:innen und Apotheker:innen ist eine genaue Einschätzung wichtig. Vor der Anwendung sollten bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aktuelle Medikamente, THC-CBD-Verhältnis, Einnahmeform und Dosierung geprüft werden. Besonders in der Anfangsphase sollten Wirkung, Verträglichkeit und mögliche Wechselwirkungen eng beobachtet werden.
Fazit: Cannabis gegen Bluthochdruck nur differenziert betrachten
Cannabis ist keine gesicherte oder anerkannte Behandlung gegen Bluthochdruck. Es sollte nicht als Ersatz für bewährte Blutdruckmedikamente oder eine ärztlich begleitete Therapie eingesetzt werden.
Die Wirkung auf den Kreislauf hängt stark vom jeweiligen Wirkstoffprofil ab. THC kann den Puls erhöhen, Herzrasen auslösen und Blutdruckschwankungen begünstigen. CBD zeigt zwar in einzelnen Studien interessante Hinweise auf mögliche Gefäß entspannende Effekte, ist aber nicht ausreichend belegt, um als Blutdrucktherapie empfohlen zu werden.
Wer unter Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet oder Blutdruck Medikamente einnimmt, sollte Cannabisprodukte nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.
FAQ
Kann Cannabis den Blutdruck senken?
Nicht zuverlässig. CBD zeigt in einzelnen Studien Hinweise auf mögliche Effekte auf Blutdruck und Stressreaktionen. THC kann Puls und Blutdruck kurzfristig erhöhen. Cannabis sollte deshalb nicht eigenständig gegen Bluthochdruck eingesetzt werden.
Ist THC gefährlich bei Bluthochdruck?
THC kann den Puls erhöhen und den Kreislauf belasten. Bei bestehendem Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte die Anwendung deshalb immer ärztlich abgeklärt werden.
Kann CBD bei Bluthochdruck helfen?
CBD wird im Zusammenhang mit Blutdruck und Stressreaktionen erforscht. Die bisherige Studienlage reicht aber nicht aus, um CBD als gesicherte Behandlung gegen Bluthochdruck zu empfehlen.
Darf ich Cannabis nehmen, wenn ich Blutdrucktabletten einnehme?
Das sollte immer vorher ärztlich oder pharmazeutisch abgeklärt werden. Cannabisprodukte können mit Blutdruck Medikamenten wechselwirken und deren Wirkung verändern.
Warum bekomme ich nach Cannabis Herzrasen?
Herzrasen kann vor allem durch THC, eine zu hohe Dosierung oder individuelle Empfindlichkeit entstehen. Auch Stressreaktionen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten können eine Rolle spielen. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Ist medizinisches Cannabis bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen erlaubt?
Es ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen, erfordert aber eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. Entscheidend sind Grunderkrankungen, Begleitmedikation, THC-CBD-Verhältnis, Dosierung und ärztliche Kontrolle.
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