Übelkeit und Erbrechen können Deinen Alltag erheblich beeinträchtigen, besonders während einer Krebsbehandlung oder wenn die Beschwerden länger anhalten. Die Forschung zu Cannabis gegen Übelkeit konzentriert sich vor allem auf bestimmte Präparate, die zusätzlich zu den üblichen Medikamenten bei einer Chemotherapie untersucht wurden. Was sich aus diesen Studien ableiten lässt, hängt von der Ursache der Beschwerden und der Zusammensetzung des Präparats ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Forschung konzentriert sich auf Chemotherapie. Die meisten Erkenntnisse zu Cannabis gegen Übelkeit stammen aus Studien zu bestimmten Cannabinoidpräparaten bei chemotherapiebedingten Beschwerden.
- Die übliche Vorbeugung steht an erster Stelle. Die ASCO-Leitlinie nennt ausgewählte Cannabinoide als mögliche Ergänzung, wenn Übelkeit oder Erbrechen trotz der empfohlenen vorbeugenden Medikamente auftreten.
- Die Ergebnisse gelten für das untersuchte Präparat. Aus Studien zu einer festen Kombination aus THC und CBD lässt sich keine allgemeine Empfehlung für CBD allein, Cannabisblüten oder andere Extrakte ableiten.
- Auch Nebenwirkungen wurden beobachtet. In einer Studie traten mit dem untersuchten THC-CBD-Extrakt häufiger Benommenheit und Schwindel auf als mit einem Scheinpräparat, das kein THC oder CBD enthielt.
- Cannabis kann selbst Übelkeit auslösen. Bei häufigem Gebrauch über längere Zeit kann es zu wiederkehrendem, starkem Erbrechen kommen. Fachleute sprechen vom Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. |
Wie entstehen Übelkeit und Erbrechen?
Übelkeit ist das Gefühl, sich möglicherweise übergeben zu müssen. Beim Erbrechen löst das Nervensystem einen Reflex aus, bei dem Mageninhalt nach außen gelangt. Beide Beschwerden können gemeinsam auftreten. Auch ohne Erbrechen kann starke Übelkeit sehr belastend sein.
Das Gehirn verarbeitet dabei Signale aus dem Verdauungstrakt und dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Es reagiert auch auf bestimmte Stoffe im Blut. Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin helfen, diese Signale zu übertragen. Je nach Wirkstoff können Medikamente gegen Übelkeit an unterschiedlichen Stellen dieser Signalwege ansetzen.
Für die Behandlung ist es wichtig, die Ursache einzugrenzen. Eine Chemotherapie, ein Magen-Darm-Infekt, Migräne und Nebenwirkungen anderer Arzneimittel können ähnliche Beschwerden auslösen. Welche Behandlung infrage kommt, hängt davon ab, wodurch die Übelkeit ausgelöst wird.

Cannabis gegen Übelkeit: Welche Rolle spielen THC und CBD?
Die Cannabispflanze enthält verschiedene Wirkstoffe, die als Cannabinoide bezeichnet werden. Zu den bekanntesten zählen Tetrahydrocannabinol, kurz THC, und Cannabidiol, kurz CBD. Da beide Stoffe im Körper unterschiedlich wirken, kommt es bei der Einordnung von Studien darauf an, welcher Wirkstoff in welcher Zubereitung untersucht wurde.
Wie THC auf Nervensignale einwirkt
THC bindet unter anderem an sogenannte CB1-Rezeptoren. Das sind Bindungsstellen, über die das körpereigene Endocannabinoidsystem die Weiterleitung von Nervensignalen beeinflusst. Einige dieser Signale spielen auch beim Erbrechen eine Rolle. Das erklärt, weshalb THC in diesem Zusammenhang untersucht wird.
In Studien kommen unter anderem Dronabinol und Nabilon zum Einsatz. Dronabinol ist die Bezeichnung für eine bestimmte Form von THC. Nabilon ist ein künstlich hergestellter Wirkstoff, der THC in seinem chemischen Aufbau ähnelt. Die Studien liefern Daten zum jeweiligen Wirkstoff und der untersuchten Zubereitung.
Was sich über CBD sagen lässt
Die bisherigen klinischen Daten reichen für eine allgemeine Empfehlung von CBD allein bei Übelkeit nicht aus. Wenn Forschende eine Kombination aus THC und CBD mit einem Scheinpräparat vergleichen, untersuchen sie die Wirkung der Kombination. Um zu klären, welchen Anteil CBD am Ergebnis hat oder ob es die Verträglichkeit beeinflusst, müsste die Kombination gezielt mit THC allein verglichen werden.
Was zeigen Studien bei Übelkeit durch Chemotherapie?
Übelkeit und Erbrechen können in den ersten 24 Stunden nach einer Chemotherapie oder erst später auftreten. Manche Patient:innen verspüren bereits vor dem nächsten Behandlungszyklus Übelkeit. Das kann eine erlernte Reaktion sein, etwa auf Gerüche oder die Umgebung, die sie mit früheren Behandlungen verbinden. Studien erfassen daher, wann die Beschwerden auftreten und welche Medikamente die Teilnehmenden bereits zur Vorbeugung erhalten.
Wie die ASCO-Leitlinie Cannabinoide einordnet
Die American Society of Clinical Oncology, kurz ASCO, beschreibt in ihrer Leitlinie eine eng begrenzte Einsatzmöglichkeit. Sie betrifft Erwachsene, deren Chemotherapie mit einem mittleren oder hohen Risiko für Übelkeit und Erbrechen verbunden ist und die trotz der empfohlenen vorbeugenden Medikamente Beschwerden haben.
In dieser Situation nennt die Leitlinie Dronabinol, Nabilon oder einen auf seine Qualität geprüften Extrakt zum Einnehmen, der THC und CBD zu gleichen Teilen enthält. Sie stuft die Empfehlung als schwach ein. Ob eine Ergänzung der bestehenden Behandlung infrage kommt, hängt von den Beschwerden, der bisherigen Behandlung und den möglichen Nebenwirkungen ab.
Eine kontrollierte Studie aus dem Jahr 2024
Eine Studie wertete die Daten von 147 Erwachsenen aus, die bei einer früheren Chemotherapie trotz vorbeugender Medikamente Übelkeit oder Erbrechen hatten. Für einen weiteren Zyklus wurden die Teilnehmenden per Zufall zwei Gruppen zugeteilt. Beide erhielten die übliche vorbeugende Behandlung. Eine Gruppe bekam zusätzlich Kapseln mit einer festgelegten Menge THC und CBD, die andere ein gleich aussehendes Scheinpräparat, auch Placebo genannt.
In den ersten fünf Tagen nach der Chemotherapie hatten 24 Prozent der THC-CBD-Gruppe weder Erbrechen noch Würgen und benötigten keine zusätzlichen Medikamente gegen diese Beschwerden. In der Placebogruppe waren es 8 Prozent. Ob die Teilnehmenden auch frei von Übelkeit waren, wurde gesondert erfasst.
In der THC-CBD-Gruppe traten Benommenheit, Schwindel und vorübergehende Angst häufiger auf. Nur 10 Prozent aller Teilnehmenden erhielten Olanzapin, einen Wirkstoff, der in manchen vorbeugenden Behandlungen eingesetzt wird. Wie groß der zusätzliche Nutzen des Extrakts bei einer Vorbeugung mit Olanzapin ist, bleibt offen.
Was gilt bei anderen Ursachen von Übelkeit?
Die Ergebnisse aus der Chemotherapie lassen sich nicht direkt auf Übelkeit bei Infekten, chronischen Erkrankungen oder einer Schmerzbehandlung übertragen. Bei länger anhaltenden Beschwerden prüfen Ärzt:innen unter anderem, ob eine Erkrankung des Verdauungstrakts, eine Stoffwechselstörung oder die Nebenwirkung eines Medikaments vorliegt.
Wenn Dir beispielsweise während einer Behandlung mit Opioiden übel wird, kann das Behandlungsteam prüfen, ob die Schmerztherapie oder die begleitenden Medikamente angepasst werden sollten. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, richtet sich nach der Ursache und danach, welche Arzneimittel Du bereits einnimmst.
Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind wichtig?
Zu den möglichen Nebenwirkungen von Arzneimitteln mit Cannabinoiden zählen Müdigkeit, Schwindel, Verwirrtheit und Veränderungen von Herzfrequenz oder Blutdruck. Gerade bei älteren oder geschwächten Patient:innen können diese Beschwerden den Alltag zusätzlich belasten.
Wechselwirkungen entstehen, wenn sich gleichzeitig angewendete Mittel gegenseitig beeinflussen. THC und CBD können verändern, wie schnell der Körper andere Arzneimittel abbaut. Auch umgekehrt können Medikamente beeinflussen, wie viel THC oder CBD im Blut bleibt. Bei CBD sind außerdem mögliche Auswirkungen auf die Leber zu berücksichtigen.
Informiere Deine behandelnden Ärzt:innen und Apotheker:innen deshalb darüber, welche Arzneimittel und ergänzenden Präparate Du verwendest. Dazu gehören auch frei erhältliche CBD-Produkte. Stimme Änderungen einer verordneten Behandlung mit Deinem Behandlungsteam ab.
Wenn Cannabis selbst Übelkeit auslöst
Bei längerfristigem, häufigem Gebrauch von Cannabis kann es zu wiederkehrenden Anfällen mit starker Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen kommen. Fachleute bezeichnen diese Erkrankung als Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom, kurz CHS.
Zwischen den Anfällen können die Beschwerden nachlassen. Manche Betroffene berichten, dass warme Duschen vorübergehend helfen. Das kann auch bei anderen Ursachen von wiederkehrendem Erbrechen vorkommen. Für die Diagnose berücksichtigen Ärzt:innen deshalb den gesamten Verlauf und fragen auch nach der bisherigen Cannabisanwendung.
Bei einem bestätigten CHS empfiehlt die europäische Leitlinie zu chronischer Übelkeit und Erbrechen, die Cannabisanwendung zu beenden. Wenn bei Dir der Verdacht auf ein CHS besteht, besprich das weitere Vorgehen zeitnah mit Deinen behandelnden Ärzt:innen.
Wann solltest Du medizinische Hilfe suchen?
Suche umgehend ärztliche Hilfe, wenn Du Blut erbrichst, starke Bauchschmerzen hast oder keine Flüssigkeit bei Dir behalten kannst. Sehr wenig Urin, ein trockener Mund oder ausgeprägter Schwindel können auf einen Flüssigkeitsmangel hinweisen. Bei Bewusstlosigkeit oder einem Kreislaufzusammenbruch ist sofortige Notfallhilfe erforderlich.
Notiere nach Möglichkeit, wann die Übelkeit beginnt, wie häufig Du erbrichst und welche Medikamente Du eingenommen hast. So kann Dein Behandlungsteam besser beurteilen, ob die vorbeugenden Medikamente angepasst werden sollten.

Fazit zu Cannabis gegen Übelkeit
Die Forschung zu Cannabis gegen Übelkeit bezieht sich vor allem auf bestimmte Cannabinoidpräparate bei Beschwerden, die trotz der empfohlenen Vorbeugung während einer Chemotherapie auftreten. Die Ergebnisse gelten für die untersuchten Zubereitungen und lassen sich nur begrenzt auf andere Beschwerden übertragen. Bei der medizinischen Abklärung zählen die Ursache, die bisherige Behandlung und mögliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen. Dazu gehört auch die Frage, ob eine längerfristige Cannabisanwendung selbst zu wiederkehrendem Erbrechen beiträgt.
Häufige Fragen zu Cannabis und Übelkeit
Welche Rolle spielen Cannabinoide bei Übelkeit durch Chemotherapie?
Die ASCO-Leitlinie nennt bestimmte Cannabinoide als mögliche Ergänzung für Erwachsene, bei denen trotz der empfohlenen vorbeugenden Medikamente Übelkeit oder Erbrechen auftritt. Die Leitlinie stuft diese Empfehlung als schwach ein.
Was sagen die Studien über CBD-Öl aus?
Die klinischen Studien beziehen sich auf die jeweils untersuchte Zubereitung. Studien zu einer Kombination aus THC und CBD geben daher keine verlässliche Auskunft darüber, wie CBD-Öl allein bei Übelkeit wirkt.
Kann Cannabis Übelkeit und Erbrechen verursachen?
Bei häufigem Gebrauch über längere Zeit kann ein Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom auftreten. Typisch sind wiederkehrende Anfälle mit starker Übelkeit und Erbrechen, teils begleitet von Bauchschmerzen.
Wann solltest Du bei Erbrechen ärztliche Hilfe suchen?
Suche umgehend ärztliche Hilfe, wenn Du Blut erbrichst, starke Bauchschmerzen hast oder kaum noch Flüssigkeit bei Dir behalten kannst. Sehr wenig oder dunkler Urin kann auf einen Flüssigkeitsmangel hinweisen.
Quellen
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Aktualisiert am 05.11.2026