Wenn du medizinisches Cannabis online bestellen möchtest, brauchst du zuerst eine ärztliche Verschreibung. Digitale Angebote können den Kontakt zur Arztpraxis und die Einlösung des Rezepts erleichtern. Welche Schritte nötig sind, ob eine Lieferung möglich ist und wer die Kosten trägt, hängt jedoch von deiner Behandlung und dem verordneten Produkt ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Medizinisches Cannabis wird nur nach ärztlicher Verschreibung über eine Apotheke abgegeben.
- Auch bei einer telemedizinischen Konsultation müssen Ärzt:innen die medizinische Eignung sorgfältig prüfen.
- Online-Bestellung und Versand sind derzeit möglich. Eine zugelassene Versandapotheke kann ein gültiges Rezept beliefern. Für Cannabisblüten sind strengere Regeln geplant, aber noch nicht in Kraft.
- Seit dem 30. Juli 2026 übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung Cannabisblüten nicht mehr. Für andere Cannabisarzneimittel gelten besondere Voraussetzungen.
- Produkt und Dosierung sind individuell. Blüten, Extrakte und Arzneimittel mit einzelnen Cannabinoiden unterscheiden sich in Anwendung, Wirkeintritt und Risiken.
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Was bedeutet „Cannabis online bestellen“ bei einem Arzneimittel?
Medizinisches Cannabis ist kein frei verkäufliches Produkt. Die Bestellung über eine Website ändert nichts an der Verschreibungspflicht: Ärzt:innen entscheiden nach einer medizinischen Prüfung, ob und welches Arzneimittel für dich infrage kommt. Die Abgabe erfolgt durch eine Apotheke gegen ein gültiges Rezept. Das gilt auch dann, wenn du die Behandlung über ein digitales Angebot begonnen hast.
Dabei solltest du ärztliche Behandlung, Rezept und Apothekenbestellung auseinanderhalten. Eine Plattform kann beispielsweise Termine vermitteln oder die Kommunikation erleichtern. Sie entscheidet aber nicht anstelle der behandelnden Ärzt:innen über die Therapie. Die Apotheke wiederum prüft die Verschreibung, berät zur Anwendung und klärt die Verfügbarkeit. Ein Rezept ist deshalb keine automatische Zusage für eine bestimmte Sorte oder eine Lieferung zu einem festen Termin.
Cannabis online bestellen: So gehst du vor
Ärztliche Abklärung und Unterlagen
Besprich deine Beschwerden zunächst mit deinen behandelnden Ärzt:innen. Relevant sind deine Diagnose, bisherige Behandlungen, deren Wirkung und Verträglichkeit sowie andere Arzneimittel, die du einnimmst. Vorhandene Arztbriefe, Befunde oder ein aktueller Medikationsplan helfen bei der Einschätzung.
Auch eine Videosprechstunde kann Teil der Versorgung sein, wenn die Ärzt:innen deine Situation auf diesem Weg ausreichend beurteilen und die fachlichen Vorgaben einhalten können. Ob eine Untersuchung vor Ort nötig ist, richtet sich nach dem Einzelfall. Ein ausgefüllter Fragebogen allein garantiert weder eine Diagnose noch ein Rezept.
Rezept ausstellen und Apotheke auswählen
Wenn die Ärzt:innen eine Cannabistherapie für geeignet halten, legen sie das Präparat, die Stärke, die Dosierung und die Anwendungsform fest. Cannabisblüten, standardisierte Extrakte und Dronabinol können auf einem regulären Rezept verordnet werden. Ein Betäubungsmittelrezept ist für diese Produkte seit April 2024 nicht mehr erforderlich. Für einzelne andere Wirkstoffe, etwa Nabilon, können abweichende Rezeptvorgaben gelten.
Du kannst ein Rezept bei einer Apotheke deiner Wahl einlösen. Bei einer Bestellung im Internet solltest du prüfen, ob die Versandapotheke im Versandhandels-Register des BfArM eingetragen ist. Das EU-Sicherheitslogo auf ihrer Website muss beim Anklicken zum passenden Registereintrag führen. Achte außerdem auf nachvollziehbare Preise, erreichbare Beratung und einen sicheren Umgang mit Gesundheitsdaten.
Abholung oder Lieferung
Die Apotheke prüft das Rezept und die Verfügbarkeit des verordneten Produkts. Je nach Angebot kannst du es vor Ort abholen oder über eine zum Versand berechtigte Apotheke beziehen. Lieferzeiten hängen unter anderem vom Bestand, einer möglichen Herstellung in der Apotheke und dem Versandweg ab.

Darf ich medizinisches Cannabis per Telemedizin verschreiben und versenden lassen?
Nach der derzeit geltenden Rechtslage ist eine telemedizinische Verschreibung grundsätzlich möglich, wenn sie den medizinischen und berufsrechtlichen Anforderungen an eine ordnungsgemäße Behandlung genügt. Eine Apotheke darf das verordnete medizinische Cannabis gegen Rezept abgeben, zugelassene Versandapotheken können es derzeit auch versenden. Telemedizin bedeutet aber nicht, dass ein Rezept ohne ausreichende ärztliche Prüfung ausgestellt werden darf.
Ein Gesetzentwurf sieht für Cannabisblüten strengere Regeln vor. Danach soll eine Verschreibung grundsätzlich einen persönlichen Kontakt mit Ärzt:innen in der Praxis oder bei einem Hausbesuch voraussetzen. Bei Folgeverordnungen wäre eine telemedizinische Behandlung nur unter bestimmten Voraussetzungen nach einem persönlichen Kontakt innerhalb von vier Quartalen möglich. Der Entwurf sieht außerdem vor, den Versand von Cannabisblüten an Patient:innen auszuschließen. Der Botendienst einer Apotheke soll möglich bleiben. Diese geplanten Änderungen sind von der bereits geltenden Neuregelung zur Kostenübernahme durch Krankenkassen zu unterscheiden. Prüfe vor einer Bestellung den aktuellen Stand, da sich das Gesetzgebungsverfahren ändern kann.

Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Eine ärztliche Verschreibung bedeutet nicht automatisch, dass die Krankenkasse bezahlt. Gesetzlich Versicherte können unter bestimmten Voraussetzungen eine Versorgung mit Cannabisarzneimitteln erhalten, wenn eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt, geeignete Standardbehandlungen nicht zur Verfügung stehen oder im Einzelfall nicht angewendet werden können und eine spürbare Besserung des Krankheitsverlaufs oder schwerwiegender Symptome zu erwarten ist. Für die Erstverordnung kann eine Genehmigung der Krankenkasse nötig sein. Für bestimmte ärztliche Fachgruppen und Versorgungssituationen gelten Ausnahmen. Sprich vor Behandlungsbeginn mit deinen Ärzt:innen über das Verfahren.
Wichtig seit dem 30. Juli 2026. Getrocknete Cannabisblüten und entsprechende Zubereitungen sind keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung mehr. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kommen weiterhin standardisierte Extrakte sowie Arzneimittel mit Dronabinol oder Nabilon infrage. Bei einer neuen Therapie gelten zudem Vorgaben zum anfänglichen Therapieversuch mit einem cannabishaltigen Fertigarzneimittel. Wenn du bereits Cannabisblüten zulasten der Krankenkasse erhalten hast, besprich eine mögliche Umstellung mit deinen Ärzt:innen; setze die Behandlung nicht eigenständig um oder ab.
Eine privatärztliche Verschreibung und die Frage der Erstattung sind getrennte Dinge. Wenn du selbst zahlst oder privat versichert bist, kläre Kosten für ärztliche Behandlung und Arzneimittel vorab. Ob eine private Krankenversicherung erstattet, hängt von deinem Vertrag und der individuellen Prüfung ab.
Welche Cannabisarzneimittel gibt es?
Medizinische Cannabisblüten sind getrocknete Pflanzenteile mit definierten Gehalten an Cannabinoiden wie THC und CBD. Sie werden, sofern ärztlich so vorgesehen, häufig mit einem geeigneten Verdampfer angewendet. Beim Inhalieren kann die Wirkung schneller einsetzen als bei einer Einnahme über den Mund; gleichzeitig können Wirkung und Dosierung von Produkt und Anwendung abhängen. Rauchen ist wegen der Verbrennungsprodukte keine empfehlenswerte medizinische Anwendungsform.
Standardisierte Cannabisextrakte enthalten Wirkstoffe der Pflanze in festgelegten Konzentrationen und werden je nach Präparat beispielsweise als Tropfen eingenommen. Dronabinol ist dagegen der einzelne Wirkstoff Delta-9-THC und nicht einfach ein Cannabisextrakt. Daneben gibt es zugelassene cannabishaltige Fertigarzneimittel für bestimmte Anwendungen. Eine Einnahme über den Mund setzt meist später ein und kann länger anhalten als die inhalative Anwendung. Die Wahl trifft das Behandlungsteam anhand deiner Beschwerden, Vorerkrankungen und bisherigen Therapie.
Was sagen THC- und CBD-Gehalt aus?
THC kann sowohl erwünschte therapeutische Effekte als auch Rausch- und Nebenwirkungen auslösen. CBD wirkt anders und verursacht üblicherweise keinen vergleichbaren Rausch. Aus dem Verhältnis der beiden Stoffe allein lässt sich aber nicht zuverlässig vorhersagen, wie ein Produkt bei dir wirkt. Insbesondere ist CBD kein sicherer Schutz vor unerwünschten THC-Wirkungen. In einer kleinen Studie an gesunden Erwachsenen verstärkte eine hohe orale CBD-Dosis sogar bestimmte Wirkungen von THC. Das Ergebnis lässt sich nicht pauschal auf andere Dosierungen oder Anwendungsformen übertragen. Für die Behandlung zählen das konkrete Präparat, die Dosis, die Anwendungsform und deine individuelle Reaktion.
Welche Nebenwirkungen und Risiken solltest du kennen?
Zu den berichteten unerwünschten Wirkungen gehören Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Konzentrationsstörungen und gelegentlich Herzklopfen oder Angst. Wie stark sie auftreten, hängt unter anderem von der Dosis, der Anwendungsform und weiteren Medikamenten ab. Nebenwirkungen sind nicht automatisch harmlos oder nur vorübergehend. Informiere deine Ärzt:innen, wenn Beschwerden neu auftreten, stark sind oder länger anhalten.
Cannabisarzneimittel können die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Fahre daher nicht Auto und bediene keine Maschinen, wenn du dich benommen oder eingeschränkt fühlst. Lass mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sowie besondere Risiken, etwa bei psychischen Vorerkrankungen, vor Behandlungsbeginn ärztlich prüfen. Eine regelmäßige Kontrolle hilft zu beurteilen, ob der mögliche Nutzen die Risiken in deinem Fall weiterhin überwiegt.
Fazit: Medizinisches Cannabis online bestellen
Du kannst medizinisches Cannabis online bestellen, wenn Ärzt:innen nach einer sorgfältigen Prüfung ein geeignetes Arzneimittel verschreiben und eine Apotheke das Rezept beliefert. Vergleiche nicht nur Plattformen und Preise, sondern kläre auch Produkt, Anwendung, Nebenwirkungen und Kostenübernahme. Für gesetzlich Versicherte gilt seit Juli 2026 eine wichtige Einschränkung bei Cannabisblüten. Zusätzliche Vorgaben zu Telemedizin und Versand sind bislang geplant. So kannst du den Bezugsweg wählen, der zu deiner medizinischen Versorgung und zur aktuellen Rechtslage passt.
FAQ: Cannabis online bestellen
Kann ich medizinisches Cannabis ohne Rezept online bestellen?
Nein. Für medizinisches Cannabis brauchst du eine gültige ärztliche Verschreibung. Eine Website, ein Online-Fragebogen oder eine Produktauswahl ersetzt sie nicht.
Muss ich persönlich zu Ärzt:innen gehen?
Derzeit kann eine sorgfältige telemedizinische Behandlung je nach Einzelfall ausreichen. Bei Cannabisblüten sieht ein noch nicht in Kraft getretener Gesetzentwurf künftig strengere Anforderungen an den persönlichen Kontakt vor.
Darf eine Apotheke Cannabisblüten nach Hause schicken?
Nach geltendem Recht können zugelassene Versandapotheken medizinische Cannabisblüten gegen Rezept versenden. Ein Gesetzentwurf würde diesen Versand für Blüten untersagen; der Apothekenbotendienst soll erhalten bleiben.
Übernimmt meine Krankenkasse Cannabisblüten?
Seit dem 30. Juli 2026 gehören Cannabisblüten nicht mehr zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung. Andere Cannabisarzneimittel können bei erfüllten Voraussetzungen weiterhin erstattungsfähig sein.
Wie schnell bekomme ich ein Rezept oder mein Arzneimittel?
Das lässt sich nicht allgemein versprechen. Ärztliche Abklärung, eine mögliche Kassenentscheidung, die Verfügbarkeit in der Apotheke und der Versand benötigen unterschiedlich viel Zeit. Plane die Versorgung bei einer laufenden Therapie deshalb rechtzeitig.

Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. (2022, 6. Juli). Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Abschlussbericht_Begleiterhebung.pdf?__blob=publicationFile
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. (o. D.-a). Hinweise für Ärztinnen und Ärzte. Abgerufen am 29. September 2026, von https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Medizinisches-Cannabis/Hinweise-fuer-Aerzte/_node.html
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. (o. D.-b). Versandhandels-Register. Abgerufen am 29. September 2026, von https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Arzneimittelinformationen/Versandhandels-Register/_node.html
- Bundesministerium für Gesundheit. (2025, 14. November). „Cannabis als Medizin“ – Fragen und Antworten zum Gesetz. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/c/cannabis/faq-cannabis-als-medizin
- Bundesregierung. (2025, 3. Dezember). Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes (Deutscher Bundestag, Drucksache 21/3061). https://dserver.bundestag.de/btd/21/030/2103061.pdf
- Kassenärztliche Bundesvereinigung. (o. D.). Cannabisarzneimittel. Abgerufen am 29. September 2026, von https://www.kbv.de/praxis/verordnungen/arzneimittel/cannabis
- Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG), BGBl. 2024 I Nr. 109, § 3 (2024). https://www.gesetze-im-internet.de/medcang/BJNR06D0C0024.html
- Sozialgesetzbuch Fünftes Buch – Gesetzliche Krankenversicherung (SGB V), BGBl. I S. 2477, § 31 Abs. 6 (1988). https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__31.html
- Zamarripa, C. A., Spindle, T. R., Surujunarain, R., Weerts, E. M., Bansal, S., Unadkat, J. D., Paine, M. F., & Vandrey, R. (2023). Assessment of orally administered Δ9-tetrahydrocannabinol when coadministered with cannabidiol on Δ9-tetrahydrocannabinol pharmacokinetics and pharmacodynamics in healthy adults: A randomized clinical trial. JAMA Network Open, 6(2), e2254752. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2022.54752
Aktualisiert am 29.09.2026