Caryophyllen ist ein natürliches Terpen, das unter anderem in Cannabis, schwarzem Pfeffer und Gewürznelken vorkommt. Für die Forschung ist vor allem Beta-Caryophyllen interessant, da es mit dem CB2-Rezeptor des Endocannabinoidsystems interagiert.
Welche medizinische Bedeutung Caryophyllen in Cannabis tatsächlich hat, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Viele Erkenntnisse stammen bislang aus Labor- und Tierstudien.
Das Wichtigste in Kürze
- Caryophyllen ist ein Terpen und kommt häufig in Cannabis vor.
- Meist ist mit Caryophyllen das sogenannte Beta-Caryophyllen gemeint.
- Beta-Caryophyllen kann den CB2-Rezeptor aktivieren.
- Das Terpen selbst wirkt nicht berauschend.
- Mögliche Effekte auf Entzündungs- und Schmerzprozesse wurden bisher vor allem präklinisch untersucht.
- Das Terpenprofil kann ein Cannabispräparat näher beschreiben, ersetzt aber keine ärztliche Therapieentscheidung.
|
Was ist Caryophyllen?
Caryophyllen gehört zu den Terpenen. Diese natürlichen Pflanzenstoffe tragen wesentlich zum Geruch und Geschmack von Cannabis, Kräutern und Gewürzen bei.
Beta-Caryophyllen wird chemisch als Sesquiterpen eingeordnet. Besonders relevant ist seine Fähigkeit, mit dem Endocannabinoidsystem des menschlichen Körpers zu interagieren.
Caryophyllen, Beta-Caryophyllen und Humulen
Wenn allgemein von Caryophyllen gesprochen wird, ist meist Beta-Caryophyllen beziehungsweise β-Caryophyllen gemeint.
Davon zu unterscheiden sind Humulen, das früher auch Alpha-Caryophyllen genannt wurde, und Caryophyllenoxid. Letzteres entsteht, wenn Beta-Caryophyllen mit Sauerstoff reagiert.
Warum gilt Beta-Caryophyllen als „diätetisches Cannabinoid“?
Beta-Caryophyllen ist chemisch ein Terpen. Es wird dennoch gelegentlich als diätetisches Cannabinoid bezeichnet, da es den CB2-Rezeptor aktivieren kann und regelmäßig über Lebensmittel aufgenommen wird. Mit klassischen Cannabinoiden wie THC oder CBD ist es jedoch nicht gleichzusetzen.
Wo kommt Caryophyllen vor?
Beta-Caryophyllen ist in verschiedenen Pflanzen enthalten. Bekannte Quellen sind schwarzer Pfeffer, Gewürznelken, Hopfen, Rosmarin, Basilikum und Oregano.
Sein Aroma wird häufig als pfeffrig, würzig, holzig oder leicht nelkenartig beschrieben.
Caryophyllen in Cannabis
Caryophyllen gehört zu den häufig vorkommenden Terpenen der Cannabispflanze. Der tatsächliche Gehalt kann jedoch stark schwanken. Einfluss haben unter anderem:
- Genetik und Anbaubedingungen
- Ernte und Trocknung
- Verarbeitung
- Lagerungsdauer
- Licht, Wärme und Sauerstoff
Daher können sich auch unterschiedliche Chargen desselben Präparats in ihrem Terpenprofil unterscheiden. Geruch und Geschmack können Hinweise auf Caryophyllen geben. Die genaue Konzentration lässt sich jedoch nur durch eine Laboranalyse bestimmen.
Welche Rolle spielt Caryophyllen in medizinischem Cannabis?
Medizinisches Cannabis enthält neben THC und CBD weitere Cannabinoide, Terpene und Pflanzenbestandteile. Das Terpenprofil kann zusätzliche Informationen über ein Präparat liefern. Es erlaubt jedoch keine zuverlässige Vorhersage der individuellen Wirkung.
Für die Auswahl eines Cannabispräparats sind insbesondere die medizinische Indikation, der THC- und CBD-Gehalt, die Dosierung, die Darreichungsform und die individuelle Verträglichkeit entscheidend.
Relative und absolute Terpenangaben
Ein hoher relativer Caryophyllen-Anteil bedeutet nicht automatisch, dass ein Präparat eine große absolute Menge des Terpens enthält.
Macht Caryophyllen beispielsweise einen großen Anteil eines insgesamt niedrigen Terpengehalts aus, kann die tatsächliche Konzentration trotzdem gering sein. Aussagekräftiger sind daher absolute Angaben wie Milligramm pro Gramm.
Cannabisblüten enthalten natürlicherweise verschiedene Terpene. Bei Vollspektrumextrakten hängt der Terpengehalt vom Herstellungs- und Standardisierungsverfahren ab.
Stark gereinigte oder isolierte Wirkstoffe enthalten häufig keine natürlichen Terpene mehr. Für die genaue Einordnung ist daher das chargenspezifische Analysezertifikat wichtiger als der Sorten- oder Produktname.
Wie wirkt Beta-Caryophyllen im Körper?
Beta-Caryophyllen interagiert mit dem Endocannabinoidsystem. Dieses körpereigene Regulationssystem umfasst unter anderem verschiedene Botenstoffe, Enzyme und Rezeptoren.
Zu den bekanntesten Rezeptoren gehören CB1 und CB2. CB1-Rezeptoren kommen vor allem im zentralen Nervensystem vor. Über sie wird ein wesentlicher Teil der psychoaktiven Wirkung von THC vermittelt.
CB2-Rezeptoren befinden sich unter anderem auf Immunzellen und in verschiedenen peripheren Geweben. Sie werden besonders im Zusammenhang mit Entzündungs- und Immunprozessen untersucht.
Bindung an den CB2-Rezeptor
Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Beta-Caryophyllen als selektiver Agonist am CB2-Rezeptor wirken kann. Das bedeutet, dass es an diesen Rezeptor bindet und ihn aktiviert.
Diese Eigenschaft unterscheidet Beta-Caryophyllen von vielen anderen Terpenen. Aus dem Wirkmechanismus allein lässt sich jedoch noch keine gesicherte therapeutische Wirkung bei einer bestimmten Erkrankung ableiten.
Ist Caryophyllen psychoaktiv?
Isoliertes Beta-Caryophyllen gilt nicht als berauschend, da es nicht in vergleichbarer Weise den zentralen CB1-Rezeptor aktiviert.
Enthält ein Cannabispräparat zusätzlich THC, kann es dennoch psychoaktiv wirken. Diese Wirkung geht dann vom THC und nicht vom Caryophyllen aus.
Welche Wirkungen von Caryophyllen werden untersucht?
Beta-Caryophyllen wird in verschiedenen medizinischen Bereichen erforscht. Die meisten Erkenntnisse stammen bisher aus Zell- und Tierstudien.
Entzündungsprozesse
Da CB2-Rezeptoren unter anderem auf Immunzellen vorkommen, wird untersucht, ob Beta-Caryophyllen bestimmte Entzündungsreaktionen beeinflussen kann.
Präklinische Ergebnisse liefern entsprechende Hinweise. Eine gesicherte entzündungshemmende Wirkung beim Menschen ist daraus jedoch nicht ableitbar.
Schmerzverarbeitung
Auch mögliche Effekte auf entzündliche und neuropathische Schmerzprozesse wurden überwiegend in Tiermodellen untersucht. Die Ergebnisse sind für die Grundlagenforschung relevant, belegen aber keine eigenständige Wirksamkeit bei menschlichen Schmerzpatienten.
Neurologische und psychische Prozesse
Weitere Untersuchungen beschäftigen sich mit neurologischen Entzündungsprozessen sowie möglichen Auswirkungen auf Stress- und Angstreaktionen. Auch hier fehlen bislang ausreichende klinische Daten. Aussagen, Caryophyllen könne bestimmte neurologische oder psychische Erkrankungen behandeln, wären deshalb nicht wissenschaftlich abgesichert.

Was zeigen Studien am Menschen?
Klinische Studien zu isoliertem Beta-Caryophyllen sind bislang begrenzt. Es fehlen insbesondere größere, hochwertige Untersuchungen, aus denen sich konkrete Anwendungsgebiete oder Dosierungsempfehlungen ableiten lassen.
Zudem können Ergebnisse zu isoliertem Caryophyllen nicht automatisch auf Cannabisblüten oder Vollspektrumextrakte übertragen werden. Diese enthalten zahlreiche weitere Inhaltsstoffe.
Der derzeitige Forschungsstand lässt sich daher folgendermaßen zusammenfassen:
- Der Wirkmechanismus am CB2-Rezeptor ist beschrieben.
- Es liegen verschiedene präklinische Ergebnisse vor.
- Belastbare klinische Daten am Menschen sind begrenzt.
- Aus der derzeitigen Evidenz lässt sich für isoliertes Beta-Caryophyllen keine eigenständige medizinische Indikation ableiten.
Caryophyllen und der Entourage-Effekt
Der Entourage-Effekt beschreibt die Hypothese, dass verschiedene Bestandteile der Cannabispflanze miteinander interagieren und gemeinsam eine andere Wirkung entfalten könnten als einzelne isolierte Stoffe. Dabei werden mögliche Wechselwirkungen zwischen Cannabinoiden, Terpenen und weiteren Pflanzenbestandteilen diskutiert. Auch Beta-Caryophyllen wird häufig in diesem Zusammenhang genannt. Die klinische Bedeutung solcher Wechselwirkungen ist jedoch noch nicht ausreichend geklärt. Es wäre daher zu pauschal, Caryophyllen eine gezielte Verstärkung oder Abschwächung der THC- oder CBD-Wirkung zuzuschreiben.
Was bedeutet Caryophyllen für die medizinische Praxis?
Für Patienten
Terpenangaben sollten nicht als Wirkversprechen verstanden werden. Ein hoher Caryophyllen-Gehalt bedeutet nicht automatisch, dass ein Präparat bei bestimmten Beschwerden besser geeignet ist.
Wirkung und Verträglichkeit sollten dokumentiert werden. Ein Wechsel des Präparats oder der Dosierung sollte nur in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erfolgen.
Für Ärzte
Das Terpenprofil kann eine ergänzende Produktinformation darstellen. Im Mittelpunkt der Therapieentscheidung sollten jedoch weiterhin die Indikation, der Cannabinoidgehalt, die Darreichungsform, die Dosierung und die individuelle Reaktion stehen.
Aus dem Caryophyllen-Gehalt allein lässt sich keine medizinische Indikation ableiten.
Für Apotheker
Apotheker können bei der Einordnung von Terpenprofilen unterstützen. Wichtig sind dabei chargenbezogene Analysedaten sowie die Unterscheidung zwischen relativen und absoluten Konzentrationen.
Auch Hinweise zur sachgerechten Lagerung und zu natürlichen Schwankungen der Präparate sind relevant.
Wie lässt sich Caryophyllen im Präparat erkennen?
Ein pfeffriges oder holzig-würziges Aroma kann auf Caryophyllen hinweisen. Eine zuverlässige Bestimmung ist dadurch jedoch nicht möglich.
Genauere Angaben liefert ein chargenspezifisches Analysezertifikat. Relevant sind vor allem:
- die untersuchte Charge
- das Analysedatum
- die absolute Caryophyllen-Konzentration
- der gesamte Terpengehalt
- das verwendete Analyseverfahren
Sortennamen allein sind nicht ausreichend. Präparate mit derselben Bezeichnung können sich abhängig von Genetik, Anbau und Verarbeitung in ihrer Zusammensetzung unterscheiden.
Sicherheit, Nebenwirkungen und Lagerung
Beta-Caryophyllen wird unter anderem als Aromastoff in Lebensmitteln verwendet. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass hochkonzentrierte Caryophyllen-Produkte für eine medizinische Einnahme oder Inhalation geeignet sind.
Für isoliertes Beta-Caryophyllen existiert bislang keine allgemein etablierte medizinische Dosierung. Von einer eigenständigen Anwendung hochkonzentrierter Terpenmischungen ist daher abzuraten.
Oxidation und Caryophyllenoxid
Beta-Caryophyllen kann durch Licht, Wärme und Sauerstoff oxidieren. Dabei kann Caryophyllenoxid entstehen, das andere Eigenschaften als der ursprüngliche Stoff besitzt.
Medizinische Cannabisprodukte sollten deshalb entsprechend den Angaben der Apotheke beziehungsweise des Herstellers gelagert werden. Sie sollten in der vorgesehenen Verpackung bleiben und vor Licht, Wärme, Feuchtigkeit und unnötiger Luftzufuhr geschützt werden.
Fazit
Caryophyllen in Cannabis ist insbesondere wegen seiner Interaktion mit dem CB2-Rezeptor für die Forschung interessant. Präklinische Studien untersuchen mögliche Zusammenhänge mit Entzündungs-, Schmerz- und weiteren körperlichen Prozessen.
Belastbare klinische Nachweise am Menschen sind jedoch weiterhin begrenzt. Das Terpenprofil kann ein medizinisches Cannabispräparat näher beschreiben, erlaubt aber keine sichere Vorhersage der individuellen Wirkung.
Für die Therapieentscheidung bleiben die ärztliche Indikation, der THC- und CBD-Gehalt, die Darreichungsform, die Dosierung sowie die persönliche Wirkung und Verträglichkeit entscheidend.
Häufige Fragen zu Caryophyllen in Cannabis
Ist Caryophyllen ein Terpen oder ein Cannabinoid?
Caryophyllen ist chemisch ein Terpen. Aufgrund seiner Aktivität am CB2-Rezeptor wird Beta-Caryophyllen gelegentlich als „diätetisches Cannabinoid“ bezeichnet.
Was ist der Unterschied zwischen Caryophyllen und Beta-Caryophyllen?
Im Zusammenhang mit Cannabis ist mit Caryophyllen meist Beta-Caryophyllen beziehungsweise β-Caryophyllen gemeint.
Ist Caryophyllen psychoaktiv?
Isoliertes Beta-Caryophyllen gilt nicht als berauschend. Ein THC-haltiges Cannabispräparat kann trotzdem psychoaktiv wirken.
Welche Lebensmittel enthalten Caryophyllen?
Caryophyllen kommt unter anderem in schwarzem Pfeffer, Gewürznelken, Hopfen, Rosmarin, Basilikum und Oregano vor.
Welche Cannabisprodukte enthalten Caryophyllen?
Das Terpen kann in Cannabisblüten und bestimmten Vollspektrumextrakten enthalten sein. Stark gereinigte Wirkstoffe enthalten häufig keine natürlichen Terpene mehr.
Kann man Caryophyllen riechen?
Ein pfeffrig-würziges Aroma kann ein Hinweis sein. Die genaue Konzentration lässt sich nur im Labor bestimmen.
Kann schwarzer Pfeffer eine zu starke THC-Wirkung abschwächen?
Für diese häufig verbreitete Annahme gibt es keine ausreichenden klinischen Belege. Schwarzer Pfeffer ist keine medizinisch abgesicherte Behandlung einer unerwünschten THC-Wirkung.
Quellen:
- Alizadeh, S., Djafarian, K., Mofidi Nejad, M., Yekaninejad, M. S., & Javanbakht, M. H. (2022). The effect of β-caryophyllene on food addiction and its related behaviors: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Appetite, 178, 106160. https://doi.org/10.1016/j.appet.2022.106160
- Booth, J. K., Yuen, M. M. S., Jancsik, S., Madilao, L. L., Page, J. E., & Bohlmann, J. (2020). Terpene synthases and terpene variation in Cannabis sativa. Plant Physiology, 184(1), 130–147. https://doi.org/10.1104/pp.20.00593
- Gertsch, J., Leonti, M., Raduner, S., Racz, I., Chen, J.-Z., Xie, X.-Q., Altmann, K.-H., Karsak, M., & Zimmer, A. (2008). Beta-caryophyllene is a dietary cannabinoid. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 105(26), 9099–9104. https://doi.org/10.1073/pnas.0803601105
- Hashiesh, H. M., Sharma, C., Goyal, S. N., Sadek, B., Jha, N. K., Al Kaabi, J., & Ojha, S. (2021). A focused review on CB2 receptor-selective pharmacological properties and therapeutic potential of β-caryophyllene, a dietary cannabinoid. Biomedicine & Pharmacotherapy, 140, 111639. https://doi.org/10.1016/j.biopha.2021.111639
- Klauke, A.-L., Racz, I., Pradier, B., Markert, A., Zimmer, A. M., Gertsch, J., & Zimmer, A. (2014). The cannabinoid CB2 receptor-selective phytocannabinoid beta-caryophyllene exerts analgesic effects in mouse models of inflammatory and neuropathic pain. European Neuropsychopharmacology, 24(4), 608–620. https://doi.org/10.1016/j.euroneuro.2013.10.008
- Simei, J. L. Q., Souza, J. D. R., Lisboa, J. R., Campos, A. C., Guimarães, F. S., Zuardi, A., & Crippa, J. A. S. (2024). Does the “entourage effect” in cannabinoids exist? A narrative scoping review. Cannabis and Cannabinoid Research, 9(5), 1202–1216. https://doi.org/10.1089/can.2023.0052
- Sköld, M., Karlberg, A.-T., Matura, M., & Börje, A. (2006). The fragrance chemical β-caryophyllene—air oxidation and skin sensitization. Food and Chemical Toxicology, 44(4), 538–545. https://doi.org/10.1016/j.fct.2005.08.028