Chronische Schmerzen können den Alltag stark einschränken und betreffen nicht nur den Körper, sondern oft auch Schlaf, Psyche, Mobilität und soziale Teilhabe. Viele Patient:innen haben bereits verschiedene Therapien ausprobiert, ohne eine ausreichende Linderung zu erreichen. Medizinisches Cannabis und insbesondere Cannabis-Extrakte rücken deshalb zunehmend als ergänzende Option in den Fokus der modernen Schmerztherapie. In diesem Beitrag erfährst du, warum die Schmerztherapie mit Cannabis-Extrakten für bestimmte Patient:innen relevant sein kann, welche Rolle die ESCAPE-Studie spielt und worauf es bei der Anwendung ankommt.
Das Wichtigste zur Schmerztherapie mit Cannabis-Extrakten
- Chronische Schmerzen betreffen viele Menschen und können die Lebensqualität deutlich einschränken.
- Cannabis-Extrakte enthalten Wirkstoffe wie THC und CBD, die über das Endocannabinoid-System Einfluss auf Schmerzverarbeitung, Entzündungen, Schlaf und Stress nehmen können.
- Die ESCAPE-Studie zeigt, dass ein ausgewogener THC:CBD-Cannabis-Extrakt mit einer verbesserten Schmerzintensität und Lebensqualität verbunden war.
- Besonders relevant kann medizinisches Cannabis sein, wenn Standardtherapien nicht ausreichend wirken oder starke Nebenwirkungen verursachen.
- Die Therapie sollte ärztlich begleitet, individuell dosiert und regelmäßig überprüft werden.
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Chronische Schmerzen: Ein häufig unterschätztes Volksleiden
Chronische Schmerzen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Belastungen. Sie bestehen über längere Zeit und können sich zu einer dauerhaften Einschränkung entwickeln. Für viele Patient:innen sind sie nicht nur ein körperliches Symptom, sondern beeinflussen auch Schlaf, Konzentration, Stimmung und Leistungsfähigkeit.
Die Ursachen sind vielfältig. Häufig treten chronische Schmerzen bei Rückenerkrankungen, Bandscheibenvorfällen, Arthrose, rheumatischen Erkrankungen, Nervenschmerzen, Migräne, Fibromyalgie oder anderen komplexen Schmerzsyndromen auf. Je nach Ursache können sie dumpf, stechend, brennend oder attackenartig sein.
In der Standardtherapie kommen häufig Schmerzmittel, Physiotherapie, Bewegungstherapie, psychologische Unterstützung oder bei starken Schmerzen auch Opioide zum Einsatz. Diese Ansätze helfen vielen Patient:innen, reichen aber nicht immer aus. Zudem können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit, Verstopfung, Schwindel oder ein Abhängigkeitsrisiko bei starken Schmerzmitteln auftreten.
Deshalb suchen Ärzt:innen und Patient:innen zunehmend nach ergänzenden Optionen, die individuell angepasst werden können und nicht nur die Schmerzintensität, sondern auch die Lebensqualität berücksichtigen.

Warum die Schmerztherapie mit Cannabis-Extrakten relevant sein kann
Cannabis-Extrakte enthalten verschiedene Inhaltsstoffe der Cannabispflanze. Besonders bekannt sind THC, also Δ9-Tetrahydrocannabinol, und CBD, also Cannabidiol. Beide Substanzen interagieren mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System, das unter anderem an Schmerzverarbeitung, Entzündungsregulation, Schlaf, Stimmung und Stressreaktionen beteiligt ist.
THC kann an Cannabinoid-Rezeptoren im Nervensystem binden und dadurch die Schmerzwahrnehmung beeinflussen. Das kann besonders bei chronischen Schmerzen relevant sein, weil Schmerzsignale nicht nur lokal entstehen, sondern auch im Nervensystem verstärkt werden können.
CBD wirkt nicht berauschend und wird unter anderem mit entzündungshemmenden, beruhigenden und muskelentspannenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Außerdem kann CBD die Wirkung von THC beeinflussen und bestimmte THC-bedingte Nebenwirkungen abmildern.
Vollspektrum-Cannabis-Extrakte enthalten neben THC und CBD weitere pflanzliche Bestandteile wie Terpene und andere Cannabinoide. Dieses Zusammenspiel wird häufig als Entourage-Effekt beschrieben. Gemeint ist, dass sich verschiedene Inhaltsstoffe in ihrer Wirkung ergänzen können.
Die Schmerztherapie mit Cannabis-Extrakten sollte deshalb nicht als einfache Einzellösung verstanden werden, sondern als mögliche Option innerhalb eines ärztlich begleiteten Behandlungskonzepts.
ESCAPE-Studie: Neue Daten zu Cannabis-Extrakten bei chronischen Schmerzen
Die ESCAPE-Studie liefert Hinweise darauf, wie Cannabis-Extrakte bei Patient:innen mit chronischen Schmerzen im Versorgungsalltag eingesetzt werden können. Es handelt sich um eine multizentrische, nicht-interventionelle Beobachtungsstudie aus Deutschland. Beobachtet wurden erwachsene Patient:innen über etwa sechs Monate.
Viele Teilnehmende hatten zuvor bereits verschiedene konventionelle Schmerztherapien ausprobiert, ohne eine ausreichende Linderung zu erreichen. Im Mittelpunkt stand der Cannamedical® Hybrid Cannabis Extrakt THC25:CBD25. Dieser enthält THC und CBD in einem ausgewogenen Verhältnis von jeweils 25 mg/mL.
Die Anwendung erfolgte individuell dosiert mithilfe einer Pipette. Das ist in der Praxis relevant, weil Cannabis-Extrakte dadurch schrittweise und kontrolliert angepasst werden können.
Bewertet wurden unter anderem die Schmerzintensität, die Einschränkung im Alltag sowie körperliche und psychische Aspekte der Lebensqualität. Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Reduktion der Schmerzintensität. Im Gesamtkollektiv sank der durchschnittliche Schmerzscore von 5,46 auf 3,37. Bei cannabis-naiven Patient:innen wurde eine Reduktion von 5,92 auf 2,37 beobachtet.
Zusätzlich berichteten Patient:innen über weniger Beeinträchtigungen im Alltag und eine verbesserte Lebensqualität. Auch die Zufriedenheit bei Patient:innen und Ärzt:innen wurde positiv bewertet.
Für wen medizinisches Cannabis eine Option sein kann
Medizinisches Cannabis kann besonders dann in Betracht kommen, wenn etablierte Schmerztherapien nicht ausreichend wirken oder nicht gut vertragen werden. Das betrifft zum Beispiel Patient:innen, die trotz Schmerzmitteln weiterhin starke Beschwerden haben oder bei denen Nebenwirkungen anderer Medikamente den Alltag zusätzlich belasten.
Auch ergänzend zu bestehenden Therapiekonzepten kann eine Cannabis-Therapie relevant sein. Ob sie geeignet ist, sollte jedoch immer individuell und unter ärztlicher Aufsicht entschieden werden.
Typische Patient:innengruppen sind Menschen mit chronischen Rücken- oder Gelenkschmerzen, neuropathischen Schmerzen, Fibromyalgie, entzündlich-rheumatischen Erkrankungen oder Schmerzsyndromen bei Multipler Sklerose und Nervenschädigungen.
Vorteile von Cannabis-Extrakten in der Schmerztherapie
Ein wichtiger Vorteil von Cannabis-Extrakten ist ihre präzise Dosierbarkeit. Durch standardisierte Wirkstoffgehalte und die Anwendung mit einer Pipette lässt sich die Dosis individuell anpassen. Das ist wichtig, weil Patient:innen unterschiedlich auf THC, CBD und deren Kombination reagieren können.
Auch die orale Anwendung kann vorteilhaft sein. Cannabis-Extrakte werden in der Regel eingenommen und können dadurch länger wirken als inhalative Anwendungsformen. Für Patient:innen mit chronischen Schmerzen kann eine gleichmäßigere Wirkung über mehrere Stunden hilfreich sein.
Zudem kann die Dosierung langsam gesteigert werden. Gerade zu Beginn der Therapie ist ein vorsichtiger Einstieg wichtig, damit Wirkung und Verträglichkeit gut beobachtet werden können.
Ein weiterer Aspekt ist die multimodale Wirkung. Cannabis-Extrakte können je nach individueller Situation nicht nur auf die Schmerzwahrnehmung wirken, sondern auch Entzündungen, Muskelspannung, Schlaf und Stimmung beeinflussen.
Potenzielle Nebenwirkungen und Sicherheit
Wie bei jedem Arzneimittel können auch bei Cannabis Nebenwirkungen auftreten. Besonders zu Beginn der Therapie oder bei einer zu schnellen Dosissteigerung können Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit oder ein leichter Blutdruckabfall vorkommen.
Auch Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsvermögen können beeinflusst werden, insbesondere bei THC-haltigen Präparaten. Deshalb ist eine ärztliche Begleitung wichtig.
Ärzt:innen können prüfen, ob medizinisches Cannabis geeignet ist, welche Dosierung sinnvoll erscheint und ob Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten berücksichtigt werden müssen. Apotheker:innen unterstützen zusätzlich bei Anwendung, Lagerung und Handhabung des Präparats.
Patient:innen sollten positive Effekte und mögliche Nebenwirkungen offen mit ihren behandelnden Ärzt:innen besprechen. In der ESCAPE-Studie wurde die Verträglichkeit insgesamt positiv bewertet. Die berichteten Nebenwirkungen waren überwiegend mild bis moderat.

Lebensqualität: Warum Schmerztherapie mehr bedeutet als weniger Schmerzen
Chronische Schmerzen beeinflussen den Alltag oft weit über das körperliche Schmerzempfinden hinaus. Viele Patient:innen schlafen schlechter, bewegen sich weniger, ziehen sich zurück oder erleben depressive Verstimmungen.
Eine wirksame Schmerztherapie sollte deshalb nicht nur die Schmerzintensität senken. Entscheidend ist auch, ob Patient:innen wieder besser schlafen, sich leichter bewegen und ihren Alltag aktiver gestalten können.
Wenn Schmerzen nachlassen, fällt Bewegung häufig leichter. Mehr Mobilität kann Muskeln und Gelenke unterstützen, Verspannungen reduzieren und das Vertrauen in den eigenen Körper stärken.
Auch die psychische Entlastung spielt eine wichtige Rolle. Weniger Schmerzen können zu weniger Stress, mehr Energie und mehr Handlungsspielraum führen. Genau deshalb ist Lebensqualität ein zentraler Faktor in der modernen Schmerztherapie.
Fazit: Schmerztherapie mit Cannabis-Extrakten kann neue Perspektiven eröffnen
Cannabis-Extrakte können für Patient:innen mit chronischen Schmerzen eine relevante therapeutische Option sein, besonders wenn konventionelle Behandlungen nicht ausreichend wirken oder schlecht vertragen werden. Die ESCAPE-Studie zeigt, dass ein ausgewogener THC:CBD-Extrakt mit weniger Schmerzen, weniger Alltagsbeeinträchtigung und einer verbesserten Lebensqualität verbunden sein kann.
Wichtig bleibt die individuelle ärztliche Begleitung. Medizinisches Cannabis sollte als Teil eines strukturierten Therapiekonzepts verstanden werden, das Schmerzintensität, Alltag, Schlaf, Psyche und Verträglichkeit berücksichtigt.
Die Schmerztherapie mit Cannabis-Extrakten kann besonders dann Mehrwert bieten, wenn sie sorgfältig dosiert, regelmäßig überprüft und auf die persönlichen Beschwerden der Patient:innen abgestimmt wird. Entscheidend ist nicht nur weniger Schmerz, sondern mehr Lebensqualität im Alltag.
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