Schlafprobleme können Deinen Alltag stark beeinträchtigen, von anhaltender Müdigkeit über Konzentrationsprobleme bis hin zu gesundheitlichen Belastungen. Ein Schlaflabor hilft dabei, die Ursachen genauer zu erkennen, wenn Beschwerden wie Schnarchen, Atemaussetzer oder chronische Ein- und Durchschlafprobleme länger bestehen. In diesem Beitrag erfährst Du, wann eine Untersuchung sinnvoll ist, wie sie abläuft und welche Rolle medizinisches Cannabis bei Schlafstörungen spielen kann.

Das Wichtigste zum Schlaflabor auf einen Blick
- Ein Schlaflabor untersucht Deinen Schlaf mithilfe einer Polysomnografie und misst dabei unter anderem Hirnaktivität, Atmung, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Körperbewegungen.
- Besonders sinnvoll ist die Untersuchung bei Verdacht auf Schlafapnoe, starkem Schnarchen, unklarer Tagesmüdigkeit oder chronischen Ein- und Durchschlafproblemen.
- Eine Nacht im Schlaflabor dauert meist vom Abend bis zum nächsten Morgen und bildet eine vollständige Schlafphase ab.
- Die Ergebnisse helfen Ärzt:innen dabei, die Ursache Deiner Schlafprobleme einzuordnen und passende Therapien wie CPAP, Verhaltenstherapie, Lagerungstraining oder medikamentöse Ansätze zu planen.
- Medizinisches Cannabis wird bei Schlafstörungen zunehmend diskutiert, sollte aber nur nach ärztlicher Prüfung und nicht als Ersatz für eine fundierte Diagnostik eingesetzt werden.
|
Interview mit Dr. Blum
Sehe hier das Webinar “Schlafen Sie auch nicht? Neue Therapieansätze bei Schlafstörungen” vom Schlafexperten Dr Blum.
Wann ist ein Schlaflabor sinnvoll?
Ein Schlaflabor ist vor allem dann sinnvoll, wenn Schlafprobleme über längere Zeit bestehen oder sich nicht eindeutig erklären lassen. Dazu zählen starke Tagesmüdigkeit, häufiges nächtliches Aufwachen, lautes Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer oder das Gefühl, trotz ausreichend Schlaf nicht erholt zu sein.
Besonders wichtig ist die Untersuchung bei Verdacht auf eine Schlafapnoe. Dabei kommt es während der Nacht wiederholt zu Atemaussetzern oder einer verminderten Atmung. Der Körper reagiert darauf oft mit kurzen Weckreaktionen, die Du selbst nicht unbedingt bemerkst. Trotzdem können sie Deinen Schlaf erheblich stören und langfristig die Gesundheit belasten.
Auch bei chronischen Ein- und Durchschlafstörungen, Restless-Legs-Beschwerden (ein unangenehmes Ziehen oder Kribbeln in den Beinen mit starkem Bewegungsdrang, meist abends oder nachts), auffälligen Bewegungen im Schlaf oder unklarer Tagesschläfrigkeit kann eine schlafmedizinische Untersuchung helfen. Ziel ist es, die Ursache Deiner Beschwerden genauer einzugrenzen und daraus eine passende Behandlung abzuleiten.
Wie läuft eine Untersuchung im Schlaflabor ab?
In der Regel kommst Du abends ins Schlaflabor. Nach der Aufnahme werden verschiedene Sensoren angebracht, mit denen Dein Schlaf über Nacht aufgezeichnet wird. Die Messung beginnt meist zu Deiner üblichen Schlafenszeit und endet am nächsten Morgen. Insgesamt solltest Du für den Aufenthalt etwa zehn bis zwölf Stunden einplanen.
Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft. Zwar können Kabel und Sensoren zunächst ungewohnt sein, sie sind aber darauf ausgelegt, Deinen Schlaf möglichst wenig zu stören. Viele Patient:innen schlafen in der ersten Nacht etwas anders als zu Hause. Trotzdem liefern die Daten meist wichtige Hinweise darauf, ob der Schlaf durch Atmung, Bewegungen, Herzfrequenz oder andere Faktoren beeinträchtigt wird.
Was wird bei der Polysomnografie gemessen?
Die zentrale Untersuchung im Schlaflabor ist die Polysomnografie. Dabei werden mehrere Körperfunktionen gleichzeitig erfasst. Dazu gehören unter anderem die Hirnaktivität, Augenbewegungen, Muskelspannung, Atmung, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Körperlage. So entsteht ein detailliertes Bild davon, wie Dein Schlaf aufgebaut ist und ob es während der Nacht zu auffälligen Unterbrechungen kommt. Die DGSM beschreibt die Polysomnografie als Verfahren, bei dem unter anderem Gehirntätigkeit, Atmung, Herztätigkeit, Sauerstoffsättigung und Bewegungen im Schlaf erfasst werden.
Die Hirnaktivität zeigt, in welchen Schlafphasen Du Dich befindest. Atemsensoren und Gurte an Brustkorb und Bauch machen sichtbar, ob Deine Atmung regelmäßig bleibt oder ob Atemaussetzer auftreten. Ein Pulsoximeter misst die Sauerstoffsättigung im Blut. Zusätzlich kann eine Kamera Bewegungen oder auffälliges Verhalten während der Nacht dokumentieren.
Diese Daten werden nach der Untersuchung ausgewertet und miteinander in Beziehung gesetzt. So können Ärzt erkennen, ob Deine Beschwerden zum Beispiel durch Schlafapnoe, unruhige Beine, häufige Weckreaktionen oder andere schlafmedizinische Ursachen erklärt werden können.
Welche Schlafstörungen erkennt ein Schlaflabor?
Ein Schlaflabor kann verschiedene Schlafstörungen diagnostizieren. Sehr häufig geht es um schlafbezogene Atemstörungen wie die obstruktive Schlafapnoe. Dabei verengen oder verschließen sich die oberen Atemwege wiederholt im Schlaf. Das kann zu Sauerstoffabfällen, Mikroaufwachreaktionen und ausgeprägter Tagesmüdigkeit führen.
Auch starkes Schnarchen wird im Schlaflabor genauer eingeordnet. Schnarchen allein muss nicht gefährlich sein, kann aber ein Hinweis auf eine behandlungsbedürftige Atemstörung sein. Entscheidend ist, ob das Schnarchen mit Atemaussetzern, Sauerstoffabfällen oder häufigen Schlafunterbrechungen verbunden ist.
Weitere mögliche Diagnosen sind Ein- und Durchschlafstörungen, Restless-Legs-Syndrom, periodische Beinbewegungen, Narkolepsie oder Parasomnien wie Schlafwandeln, nächtliches Zähneknirschen oder auffällige Bewegungen im Traumschlaf. Die Untersuchung hilft dabei, zwischen harmlosen Schlafproblemen und behandlungsbedürftigen Schlafstörungen zu unterscheiden.
Wie bereitest Du Dich auf die Nacht im Schlaflabor vor?
Eine gute Vorbereitung kann den Ablauf erleichtern und die Messergebnisse verbessern. Am Tag der Untersuchung solltest Du Deinen normalen Tagesrhythmus möglichst beibehalten. Verzichte ab dem frühen Nachmittag auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, schwarzen Tee, Cola oder Energydrinks. Auch Alkohol solltest Du vermeiden, da er Deinen Schlaf und Deine Atmung beeinflussen kann.
Ein Mittagsschlaf kann dazu führen, dass Du abends schlechter einschläfst. Deshalb ist es sinnvoll, tagsüber wach zu bleiben. Für das Anbringen der Elektroden solltest Du Deine Haare frisch waschen und keine Stylingprodukte wie Haargel, Haarspray oder Öl verwenden.
Packe für die Nacht bequeme Schlafkleidung, Hygieneartikel, Wechselkleidung und bei Bedarf Dein eigenes Kopfkissen ein. Außerdem solltest Du Deine Versichertenkarte, den Überweisungsschein, vorhandene Vorbefunde und eine aktuelle Medikamentenliste mitbringen. Medikamente solltest Du nicht eigenständig absetzen, besprich die Einnahme vorher mit Deinen Ärzt:innen oder dem schlafmedizinischen Personal.
Welche Behandlungen können nach der Diagnose folgen?
Die Behandlung hängt davon ab, welche Ursache für Deine Schlafprobleme gefunden wurde. Bei obstruktiver Schlafapnoe kommt häufig eine CPAP-Therapie zum Einsatz. Dabei trägst Du nachts eine Maske, die mit einem Gerät verbunden ist. Dieses Gerät erzeugt einen kontinuierlichen positiven Atemwegsdruck, damit die oberen Atemwege offenbleiben. Die Techniker Krankenkasse beschreibt, dass bei notwendiger Überdruckbeatmung während des Schlafs ein CPAP-Gerät ärztlich verordnet werden kann.
Wenn Ein- und Durchschlafstörungen im Vordergrund stehen, kann eine verhaltenstherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Dabei lernst Du, ungünstige Schlafgewohnheiten zu verändern, Deinen Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren und schlafstörende Faktoren zu reduzieren. Bei lageabhängigen Atemstörungen kann auch ein Schlafpositionstraining helfen.
In bestimmten Fällen können Medikamente eingesetzt werden, zum Beispiel bei Narkolepsie oder Restless-Legs-Syndrom. Schlafmittel sollten jedoch nicht unkritisch oder dauerhaft ohne ärztliche Begleitung eingenommen werden. Sie können Nebenwirkungen haben, die Tagesmüdigkeit verstärken oder bei bestimmten Atemstörungen problematisch sein.
Welche Rolle kann Cannabis bei Schlafstörungen spielen?
Medizinisches Cannabis wird bei Schlafstörungen zunehmend diskutiert. Vor allem bei chronischen Beschwerden, Schmerzen, innerer Unruhe oder anderen Grunderkrankungen, die den Schlaf beeinträchtigen, kann es als möglicher ergänzender Therapieansatz betrachtet werden. Cannabis ersetzt jedoch keine Untersuchung im Schlaflabor und ist keine Standardtherapie bei Schlafapnoe.
Cannabinoide wie THC und CBD wirken auf das körpereigene Endocannabinoid-System. THC kann sedierend wirken und bei manchen Patient das Einschlafen erleichtern. CBD wird häufig mit beruhigenden Effekten in Verbindung gebracht. Die Studienlage ist jedoch nicht einheitlich. Ein aktueller Review zu Cannabis und CBD bei Schlafstörungen kommt zu dem Ergebnis, dass die wissenschaftliche Evidenz nicht mit der verbreiteten Nutzung von Cannabinoiden zur Behandlung von Schlafstörungen gleichzieht.
Eine weitere systematische Übersichtsarbeit deutet darauf hin, dass CBD allein oder in Kombination mit ähnlichen THC-Anteilen bei Insomnie-Symptomen hilfreich sein könnte. Medizinisches Cannabis kann in einzelnen Fällen eine Rolle spielen, sollte aber immer ärztlich geprüft werden. Besonders bei Atemaussetzern, starkem Schnarchen oder ausgeprägter Tagesmüdigkeit sollte zuerst abgeklärt werden, ob eine Schlafapnoe oder eine andere behandlungsbedürftige Schlafstörung vorliegt. Auch Apotheker:innen können bei Fragen zur Anwendung, Darreichungsform und möglichen Wechselwirkungen unterstützen.
Welche Risiken gibt es bei Cannabis zur Schlafverbesserung?
Cannabis kann Nebenwirkungen verursachen. Dazu gehören Müdigkeit am nächsten Tag, Schwindel, Konzentrationsprobleme, Mundtrockenheit oder Kreislaufbeschwerden. THC kann außerdem Angst, Unruhe oder paranoide Gedanken verstärken, vor allem bei höheren Dosierungen oder entsprechender Veranlagung.
Bei regelmäßiger Anwendung kann sich eine Toleranz entwickeln, sodass die Wirkung mit der Zeit nachlässt. Beim Absetzen können Schlafprobleme, Unruhe oder Reizbarkeit auftreten. Deshalb sollte medizinisches Cannabis nicht eigenständig zur Schlafverbesserung eingesetzt werden. Eine ärztliche Begleitung ist besonders wichtig, wenn Du bereits Medikamente einnimmst oder Vorerkrankungen hast.
Wie lange dauert die Auswertung im Schlaflabor?
Nach der Nacht im Schlaflabor werden die aufgezeichneten Daten sorgfältig ausgewertet. Dabei werden Deine Schlafphasen, Atemmuster, Sauerstoffwerte, Herzfrequenz, Körperbewegungen und mögliche Weckreaktionen analysiert. Daraus entsteht ein individuelles Schlafprofil, das zeigt, wie erholsam Dein Schlaf war und welche Auffälligkeiten aufgetreten sind.
Die Auswertung dauert je nach Schlaflabor und Komplexität der Untersuchung meist einige Tage bis etwa zwei Wochen. Anschließend besprechen die Ärzt:innen die Ergebnisse mit Dir und erklären, welche Therapie sinnvoll ist. Je nach Befund können weitere Untersuchungen, eine CPAP-Anpassung, Verhaltensempfehlungen oder andere Maßnahmen folgen.
Fazit: Wann ein Schlaflabor wichtig ist
Ein Schlaflabor ist sinnvoll, wenn Du dauerhaft schlecht schläfst, stark schnarchst, tagsüber sehr müde bist oder Hinweise auf Atemaussetzer bestehen. Die Polysomnografie erfasst zentrale Schlafdaten wie Atmung, Sauerstoffsättigung, Hirnaktivität, Herzfrequenz und Körperbewegungen. Dadurch können Ärzt besser erkennen, ob hinter Deinen Beschwerden zum Beispiel Schlafapnoe, Ein- und Durchschlafstörungen oder andere schlafmedizinische Ursachen stehen.
Medizinisches Cannabis kann bei bestimmten Schlafproblemen ein ergänzender Therapieansatz sein, ersetzt aber keine fundierte Diagnose. Besonders bei Verdacht auf Schlafapnoe sollte zuerst eine schlafmedizinische Abklärung erfolgen, da Atemaussetzer gezielt behandelt werden müssen. Wenn Du Deine Schlafqualität langfristig verbessern möchtest, ist eine klare Diagnose im Schlaflabor der wichtigste Schritt zu einer passenden Therapie.

FAQ zum Thema Schlaflabor
Was passiert in einem Schlaflabor?
Im Schlaflabor wird Dein Schlaf über Nacht untersucht. Dabei messen Sensoren unter anderem Hirnaktivität, Atmung, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Körperbewegungen. Die Daten helfen dabei, Schlafstörungen genauer zu erkennen.
Wie lange dauert eine Untersuchung im Schlaflabor?
Meist dauert die Untersuchung eine Nacht. Du kommst abends ins Schlaflabor und verlässt es am nächsten Morgen. In besonderen Fällen können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein.
Wann sollte ich ins Schlaflabor gehen?
Ein Schlaflabor kann sinnvoll sein, wenn Du stark schnarchst, Atemaussetzer bemerkst, tagsüber sehr müde bist oder über längere Zeit schlecht schläfst. Auch bei unklaren Bewegungen im Schlaf oder Verdacht auf Narkolepsie kann eine Untersuchung helfen.
Ist die Untersuchung im Schlaflabor unangenehm?
Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft. Die Sensoren und Kabel können ungewohnt sein, stören den Schlaf aber meist nur wenig. Sie sind dafür da, Deine Körperfunktionen während der Nacht möglichst genau aufzuzeichnen.
Kann Cannabis bei Schlafstörungen helfen?
Medizinisches Cannabis kann bei bestimmten Schlafbeschwerden eine Rolle spielen, etwa wenn Schmerzen oder innere Unruhe den Schlaf beeinträchtigen. Die Studienlage ist jedoch noch begrenzt. Deshalb sollte Cannabis nur nach ärztlicher Prüfung eingesetzt werden.
Hilft Cannabis bei Schlafapnoe?
Cannabis ist keine Standardtherapie bei Schlafapnoe. Wenn Atemaussetzer vorliegen, sollte zuerst eine schlafmedizinische Diagnostik erfolgen. Häufig stehen dann Therapien wie CPAP oder andere gezielte Maßnahmen im Vordergrund.
Quellen
- American Academy of Sleep Medicine. (2025, 9. April). AASM Scoring Manual – American Academy of Sleep Medicine. American Academy Of Sleep Medicine – Association For Sleep Clinicians And Researchers. https://aasm.org/clinical-resources/scoring-manual/
- Kapur, V. K., Auckley, D. H., Chowdhuri, S., Kuhlmann, D. C., Mehra, R., Ramar, K., & Harrod, C. G. (2017). Clinical practice guideline for diagnostic testing for adult obstructive sleep apnea: An American Academy of Sleep Medicine clinical practice guideline. Journal of Clinical Sleep Medicine, 13(3), 479–504. https://doi.org/10.5664/jcsm.6506
- Patil, S. P., Ayappa, I. A., Caples, S. M., Kimoff, R. J., Patel, S. R., & Harrod, C. G. (2019). Treatment of adult obstructive sleep apnea with positive airway pressure: An American Academy of Sleep Medicine clinical practice guideline. Journal of Clinical Sleep Medicine, 15(2), 335–343. https://doi.org/10.5664/jcsm.7640
- Riemann, D., Espie, C. A., Altena, E., Arnardottir, E. S., Baglioni, C., Bassetti, C. L. A., et al. (2023). The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. Journal of Sleep Research, 32(6), e14035. https://doi.org/10.1111/jsr.14035
- Ranum, R. M., Whipple, M. O., Croghan, I., Bauer, B., Toussaint, L. L., & Vincent, A. (2023). Use of cannabidiol in the management of insomnia: A systematic review. Cannabis and Cannabinoid Research, 8(2), 213–229. https://doi.org/10.1089/can.2022.0122
- AminiLari, M., Wang, L., Neumark, S., Adli, T., Couban, R. J., Giangregorio, A., Carney, C. E., & Busse, J. W. (2022). Medical cannabis and cannabinoids for impaired sleep: A systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Sleep, 45(2), zsab234. https://doi.org/10.1093/sleep/zsab234
Aktualisiert am 30.06.2026